Neues aus Saarbrücken und Nahost

Die Restaurierung unseres 3man. pneumatischen Spieltisches wird wohl in den nächsten 2 Wochen abgeschlossen werden, dazu wollen wir einen letzten Blog veröffentlichen. Übrigens die Darstellungen unserer Blogs können über diesen Link abgefragt werden.

Wir werden in den nächsten Monaten sowohl im Libanon, wie auch in Amman/Jordanien und bereits im März in Kairo tätig sein. Die hierzu erforderlichen Tätigkeiten werden wir in unseren Blogs in Bild und Wort darstellen.

Bei dem Projekt „Orgel für Amman“ handelt es sich um eine “ 17registrige Bornefeld“ die den Weg über den Suezkanal ins Königreich Jordanien finden soll. Zuvor aber wird unsere Walcker in Kairo mit einer neuen Magazinbalgbelederung bereichert. Das alte Leder haben sich kairoanische Ratten schmecken lassen, die halt wissen was der Speisezettel aus Europa alles bieten kann.

Werner Walcker-Mayer, der 52 Jahre lang die Firma Walcker in Ludwigsburg, Murrhardt, Guntramsdorf und Kleinblittersdorf geführt hat, wäre am kommenden 1.Feb. 100 Jahre alt geworden. Wir wollen hierzu auf unseren Seiten verschiedene Texte zu seinem Lebenswerk zeigen.

Dazu passt es, dass ich vor 10 Jahren die Gelegenheit bekam bei „Occupy Villa Berg“einen Text verfassen zu können, der den Verfall dieser wichtigen Orgel (Opus 2986) im ehemaligen Sendesaal des Stuttgarter Rundfunks aufhalten sollte. Leider hat aber auch hier die Letzte Generation des Deutschen Orgelbaus keinen Erfolg zeitigen wollen. Vielleicht aber müssen wir uns an der Orgel festkleben oder uns in einem 4m tiefen Tunnel unter der Villa einbuddeln, damit etwas passiert?

gerhard(at)walcker.com

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Berlin Siemensvilla Zusammenfassung

„Die Zeit ist eine Larve der Ewigkeit“ (Theo Brandmüller), dieser idealistischen Welt-oder Geistesauffassung folgend, habe ich mich entschlossen in Sachen Berlin noch einen abschliessenden Blog zu verfassen, nachdem nun auch der Eigentümer der Siemensvilla seine Genehmigung zu den Veröffentlichungen gegeben hat.

Das enorme Tempo, dass in Berlin vorgegeben war, hat allerdings wenig Zeit zum Nachdenken, dafür aber doch Einblicke in einer uns seltsam anmutenden Stadt während den Montagearbeiten (Wiedereinbau) gegeben.

Zunächst einmal will ich die Dispo hier vorstellen:

DISPOSITION OPUS 1869, BERLIN SIEMENS-VILLA

I.Manual C-c‘‘‘‘= 61 Tasten
Lieblich Gedeckt 16‘ Holz, Metall
Flûte harmonique 8‘ Holz, Metall,
Viola 8‘ Zinn, Zink (Gamba 5 tlg)
Gemshorn 4‘ Zinn, Zink
Flautino 2‘ Zinn
Cymbel 3 fach 2‘-1 ⅓‘-1‘, Metall
Oboe 8‘ MetallEchowerk C-c‘‘‘‘
Vox humana 8‘ Metall (extra Kasten)
Bourdon 8‘ Holz, Metall
Flöte 4‘ Metall, Zinn (Spitzflöten-Mensur)
Echotrompete 8‘, Metall
TremoloKoppeln:
II/I, I/P, II/P
Sup I/P, Sub II/I, Sup II/I
IIManual C- c‘‘‘‘= 61 Tasten
im Schwellwerk
Gedackt 8‘ Holz, Metall
Salicional 8‘ ab Holz, Metall
Vox coelestis ab c, Zinn
Spitzflöte 4‘ Holz, Metall
Violine 4‘ Zinn
Quintflöte 2 2/3‘ Zinn
Piccolo 2‘ Zinn
Terz 1 3/5‘ Zinn
Glockenspiel 48 TönePedal C-f‘ = 30 Tasten
Subbass 16’ C-H, Rest aus Nr.3
Echobass 16‘, Holz
Cello 8‘, Transmission aus 4.
Basson 16‘ C-H MetallBassmelodiekoppel
Melodiekoppel
Generalcrescendo
Schwelltritt I
Schwelltritt II
Schwelltritt Fernwerk

Das Echowerk, war so stark zerstört, dass wir diesen Teil aus Zeit- und Raumgründen (Öffnung zum Konzertsaal war nicht möglich)  nicht wiederherstellen konnten.

In der Hauptorgel, Hauptwerk und Schwellwerk, fanden wir so stark malträtierte Pfeifen und fehlendes Pfeifenmaterial, dass hier ein Pfeifenmacher eingebunden werden musste, der dann auch in Berlin 3 Wochen tätig war.

Hier ein Beispiel, im Bild am Anfang dieses Blogs sehen wir die gleiche Stelle wiederhergestellt.

So ziemlich alle Pfeifen der Streicher waren an den Füssen stark beeinträchtigt. Irgendein Hausmeister muß vor Jahren über das Heer der darniederliegenden Pfeifen marschiert sein und hat dadurch eine Reparaturlawine ausgelöst. Am nachfolgenden Foto kann man einige der reparierten Pfeifen sehen.

Hier noch ein Bild aus dem Hauptwerk

Eine großartige Konstruktion von der Firma Walcker war den pneumatischen Spieltisch mit Rollen auszuführen und dazu ein Bleirohranschlußbrett, das mit Öffnen von 6 guten Maschinenschrauben von der Orgel gelöst werden konnte. Somit war es möglich auch nach der Installation aller Teile noch an der Rückseite des Spieltisches Regulierungen vorzunehmen.

Der Heizkörper in der Orgel, der für extreme Schäden an den Kegelladen verantwortlich war musste allein schon aus Platzgründen entfernt werden( und um die Rache des Orgelbauers zu befrieden).

Aber alles in Allem war es  eine extrem schwierige Arbeit, die wir bereits in diesen Blogs vorgestellt haben:

https://blog.walcker.com/die-walcker-organola-auf-youtube

https://blog.walcker.com/walcker-kegelwindlade-in-berlin

https://blog.walcker.com/von-baelgchen-und-membranen

https://blog.walcker.com/keilbaelgchen-fuer-walcker-spieltische

https://blog.walcker.com/komplexer-pneumatischer-spieltisch

https://blog.walcker.com/auftrag-zur-restaurierung-der-walcker-orgel-in-berlin-siemens-villa

 

Ja, und dann gabs doch jeden Sonntag Ausflüge zur Museumsinsel, oder zum  Wannsee oder gar nach Potsdam zum alten Fritz, der uns tatsächlich noch eine Sonata von JSB auf der Querflöte vortrug :

gwm (längst wieder im Dreimanualigen, der auch mal fertig werden will)

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dreimanualiger Spieltisch 3.Teil (also engl.)

Bei der Restaurierung unseres Spieltisches sind wir einige Schritte weiter gekommen.

Wir möchten zwei neue Bilder zeigen:

  1. die Koppelanlage mit neuen Aludrähten, dazu vielleicht noch die Erläuterung, dass die quer über den Einzelmembranen liegenden Bälge über ein Auslasssystem gesteuert werden. Die Koppel wird also eingeschaltet, indem der Wind dieses Balges entlastet wird (über die Bälgchen-Ventil-Kombination auf der rechten Seite). Damit kann dann entsprechend angesteuerte Membrane den Aludraht anheben und den jeweiligen Ton des entsprechenden Manuals spielen.

und hier ein detaillierteres Foto der Koppelanlage

  1. rechts und links, der hier noch nicht eingebauten Manualklaviaturen befinden sich die Bleirohre der (inzwischen eingebauten Registerstaffleien, die hier aber noch fehlen). Sehr interessant ist diese Konstruktion, dass wir nur ein Ausgang-Bleirohr pro Register haben. Also FK1, FK2 und HR werden auf der Staffelei zusammengeführt.

Seit ein paar Tagen sind wir dabei das komplette System mit einem Winddruck von 110mmWS auszuprobieren und hoffen noch vor Weihnachten den Segen von ganz oben erhalten zu können.

Als gewaltige Belastung empfinden wir inzwischen bei jedem einzelnen Minusgrad an Außentemperaturen, wenn dabei an die vollkommen unschuldig attackierten Menschen in der Ukraine gedacht werden muss. Ich hoffe nur, dass den Russen, welche diese Sauerei verursacht haben, gründlich durch ausgleichende Gerechtigkeit der dumme aggressive Schädel gewaschen wird.

Man verzeihe mir diese Wortwahl, aber jedes einzelne Bild von einer (einem) geschädigten Ukrainer:in erregt heftige Wut in mir.

Ein schönes Fest wünscht

gwm

We have made some progress in the restoration of our console.
We would like to show two new pictures:
a) the coupling system with new aluminium wires. In addition, we would like to explain that the bellows lying across the individual diaphragms are controlled by an exhaust system. The coupling is thus switched on by relieving the wind of this bellows (via the bellows-valve combination on the right). This then allows appropriately controlled diaphragms to lift the aluminium wire and play the respective note of the corresponding manual.
b) To the right and left of the manual keyboards, which are not yet installed here, are the lead pipes of the (in the meantime installed, but here still missing) stop staves. This construction is very interesting in that we only have one lead pipe per stop. So FK1, FK2 and HR are brought together on the easel.
Since a few days we are trying out the complete system with a wind pressure of 110mmWS and hope to get the blessing from the very top before Christmas.

In the meantime, we feel an enormous burden with every single minus degree of outside temperature, when we have to think of the completely innocent people in the Ukraine who were attacked. I only hope that the Russians who caused this mess will be thoroughly washed out of their stupid aggressive skulls by means of compensatory justice.

Forgive my choice of words, but every single picture of an aggrieved Ukrainian arouses fierce anger in me.

Have a nice holiday
gwm

in response to various queries about which organ this is: we don’t want to say much about it, because that is a matter for the church. But I would like to show a picture of the organ in the west gallery, and thus reflect the atmosphere of this organ. On the right hand side in the choir room is the Rieger organ, which was built in 1968. Incidentally, it is thanks to Glatter-Götz that this romantically inclined organ of the gallery has been preserved.

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Dreimanualiger pneum. Spieltisch, Restaurierung (also in english)

Dieser III-manualiger pneumatischer Spieltisch mit einer sehr interessanten Koppelanlage in der sich 17 Koppeln offenbaren, die pneumatische Impulse in Mechanik überträgt, wodurch wiederum ein pneumatischer Impuls ausgelöst wird, hat uns in der Folge einige nachdenkenswerte Tage beschert (ohne an Weihnachten oder die Ukraine zu denken).

An diesem Foto sehen wir die Rückseite des Spieltisches, an der die Koppelanlage auch für spätere Regulierungszwecke zugängig wird.

Wir haben zum Beispiel zum III.Manual 10 Koppeln, die dort hinein wirken, was hier so gelöst wurde, dass auf entsprechenden Tönen 10 Holzringe angebracht sind, die von 10 unterschiedlichen Membranen gehoben werden können, was dann das entsprechende Ventil für das III.Manual hebt und den pneumatischen Impuls freigibt, der wiederum über Bleileitung an die entsprechende Windlade weitergegeben wird.

Ein großer Jammer war, dass alle die dafür erforderlichen Aludrähte (Abstrakten) direkt am Ventil durch Säureeinwirkung der Lederscheiben soweit zerstört waren, das diese Aludrähte bei kleinster Berührung abbrachen.

Hier war also zunächst gefragt

  • wie können wir schnellstmöglich die Aluabstrakten mit 2,4mm besorgen
  • wer kann die erforderlichen Gewinde zu humanen Preisen einwalzen
  • woher bekommen wir die erforderlichen Ventilscheiben

Punkt eins und zwei konnten in wenigen Tagen geklärt werden. Bei dem letzten Punkt habe ich mich entschieden einen Ortur-Laser zu besorgen und alle diese Kleinteile konnten somit in unserer Werkstatt gelasert werden (hat eine Menge Spaß gemacht, auch wenn das eine oder andere Teil zwei-dreimal gelasert werden mussten).

Anstelle der Pappe, wie in der ehemaligen Konstruktion haben wir Vielschichtplatten verwendet, wo das Gewinde sich wesentlich besser befestigt.

Beim dritten Manual müssen wir bis zu 10 Ringe auf einen Draht aufbringen, was sehr viel Geduld erfordert, andernfalls werden die Drähte sofort unwiederbringlich verbogen.

Aber auch beim II.Manual sind es noch bis zu 7 Ringe per Draht.

Anstelle Bälgchen, wie in einer älteren Walcker-Zeichnung aufgeführt, hat der Erbauer hier Membranen mit Holzplättchen verwendet, was durch die Keilwirkung denselben Hebeleffekt hat und gut das Gewicht der Aludrähte samt Plättchen hebt.

 

Links sehen wir das kurz vor dem Einbau stehende Relais des III.Manuals und rechts den Spieltischkorpus mit vier eingebauten Koppelbälgen und Membranreihen.

Hier möchte ich noch eine kurze Videosequenz zeigen, wo man die Membranen am Werk sieht, wenn solche Koppeldrähte angehoben werden: https://www.youtube.com/watch?v=8UAr20dpYNw

Und hier noch die beiden Registerstaffleien, die Disposition zeigend mit den angesprochenen Koppeln:

Hier noch eine kurze Videosequenz in der die Membranen samt Koppeldrähten in Aktion gezeigt werden:

Youtube : koppelsystem

 

III-manual pneumatic console with a very interesting coupling system that transfers pneumatic impulses into mechanics, which in turn triggers a pneumatic impulse.
We have, for example, for the III manual 10 couplers that act in there, which was solved here in such a way that on corresponding notes 10 wooden rings are attached that can be lifted by 10 different diaphragms, which then lifts the corresponding valve for the III manual and releases the pneumatic impulse, which in turn is passed on via lead to the corresponding windchest.
A great pity was that all the necessary aluminium wires (abstracts) directly at the valve had been destroyed by the acid effect of the leather discs to such an extent that these aluminium wires broke off at the slightest touch.
So the first question was
– how can we get the aluminium abstracts with 2.4mm as quickly as possible?
– who can roll in the necessary threads at a reasonable price?
– where can we get the necessary valve discs?
Points one and two could be solved within a few days. On the last point I decided to get an Ortur laser and all these small parts could thus be lasered in our workshop (was a lot of fun, even if one or the other part had to be lasered two-three times). Instead of cardboard, as in the former construction, we used multilayer boards, where the thread attaches much better.
For the third manual, we have to apply up to 10 rings to one wire, which requires a lot of patience, otherwise the wires are immediately bent beyond repair.
But even with the second manual, there are still up to 7 rings per wire.
Instead of bellows, as shown in an older Walcker drawing, the builder used diaphragms with wooden plates, which has the same lifting effect due to the wedge effect and lifts the weight of the aluminium wires together with the plates.

gewalcker

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Dreimanualiger Spieltisch wird restauriert und….

Hin und wieder erhalte ich Mitteilungen von alten Bekannten oder Orgelfreunden die auf unseren Internetseiten zu wenig Betriebsamkeit entdecken. Das kann ich nur unterschreiben, weil wir sehr stark in unserem neuen Spieltisch eingebunden sind, dessen Restaurierung im Dezember abgeschlossen sein muss.

Es handelt sich um einen dreimanualigen, pneumatischen Kasten, der mit 17 Koppeln eine pathetische  und äußerst überlegte Anlage darstellt. Um nicht das Auge des in Zeichnungen weniger erfahrenen Betrachters zu überfordern, zeige ich nur einen Ausschnitt mit den Klaviaturen. Der Rest wird gelegentlich nach der Fertigstellung gezeigt, weil eben das Koppelsystem einfach eine sehr überlegte Sache darstellt. Man vermutet als Erbauer Sauer-Walcker 1929.

Hinzu kommt, dass ich persönlich mehr und mehr, ergänzend zur Musik des 19.JH, nun auch in Literatur der Romantik eingebunden bin, was die geringer werdende Freizeit abermals schmält. Und gerade hier hat mich ein scheinbar kleines Vorwort  zum  „Buch der Lieder“ von Heinrich Heine zutiefst  erschüttert. Wie kann man „Wahrheit“, wie sie die Philosophen seit 3000 Jahren vergeblich suchten, noch klarer und deutlicher in solch schlichten Worten ausdrücken? Einfach umwerfend schön!

O, Ihr Götter! ich bitte Euch nicht mir die Jugend zu lassen, aber lasst mir die Tugenden der Jugend, den uneigennützigen Groll, die uneigennützige Träne! Lasst mich nicht ein alter Polterer werden, der aus Neid die jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Jammermensch, der über die gute alte Zeit beständig flennt… Lasst mich ein Greis werden, der die Jugend liebt, und trotz der Altersschwäche noch immer Teil nimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meine Stimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte unerschrocken und frisch bleibt!

denn…, denn…., denn…

»Und scheint die Sonne noch so schön,

Am Ende muss sie untergehn!«

Es grüßt Euch

gwm

apropos Heinrich Heine: er war zur Zeit der Niederschrift dieser Worte gerade mal 40, hat gerade mal die 59 erreicht. Also die Gefahr, jemals ins demente Deutschdenken abzusacken, hat er nie kennengelernt. Aber durch seine Worte wissen wir nun, in welchem Schlangennest wir eigentlich sitzen.

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Reisebericht aus Schitomir / Ukraine im Dezember 2012

       Abbildung 1 Kathedrale von Schitomir, Ukraine

Eine der seltsamen Reisen, die man als Orgelbauer so machen darf, ins Land des Nikolai Gogol, das wohl auf den ersten Blick noch so aussieht, wie es wohl vor 200 Jahren aussah. Also man geht in der Zeit zurück, so etwa vor dem Bau der Petersburger- und Rigaer-Walcker-Orgeln.

Bitterkalt und mit dicken Eis- und Schneeschichten auf den Straßen. Aber, die „Toten Seelen des Wassiljewitsch“ konnte ich nicht finden, dafür die dahinter verborgene Ironie. Und, was noch viel schöner war, die verschmitzten Gesichter der Ukrainer, die in solchen Geschichten wie in Gogols Romanen, die sie mit unerbittlicher Regelmäßigkeit neu zu lesen verstehen, ihre Identifikation gefunden haben.

Von Vitaliy Chyzhevskyy erfuhr ich vom bedenklichen Zustand der Walcker-Orgel in der Kathedrale zu Schitomir.

Da ich mich einige Zeit mit den Walcker-Orgeln in der ehemaligen Sowjetunion beschäftigt habe, kannte ich das Instrument aus dem Buch von Leonid Rojsmann (erschienen GDO 2001). Und so begann ich rasch noch vor Weihnachten eine Reise in die Ukraine zusammen zu stellen, um mich mit Orgel und Leuten in Schitomir zu beschäftigen, die dieses Instrument wieder auf Vordermann bringen wollten.

Sehr erfreut war ich zu hören, dass man dieses Signal in Schitomir ebenfalls mit überraschter Freude zur Kenntnis nahm und dass mich der Prior persönlich mit einem deutschsprechenden Vikar am Flughafen in Kiew abzuholen gedachte.

Abbildung 2 Vikar Jaroslaw, Orgelbauer Vitaliy, Sergei 

Das alles geschah nun am 13. Dezember 2012. Pater Grigoriy und Vikar Jaroslaw erwarteten mich im nagelneuen Flughafen zu Kiew. Ihre Anreise von Schitomir war durch erheblichen Schneefall der letzten Tage ein wahres Abendteuer geworden und genauso die Rückfahrt, an der ich teilhaben sollte. Aber dennoch wollten sie mir noch in aller Ruhe die Stadt Kiew zeigen, was durch den starken Verkehr ein weiteres Abendteuer werden sollte, was unsere Fahrt zurück nach Schitomir erheblich verzögerte.

Vom Lemberg waren die beiden Orgelbauer Vitaliy und Sergey gleichzeitig unterwegs nach Schitomir, von Westen nach Osten, auch eine hübsche Strecke, die bei dem Glatteis auf der Landstraße gut und gerne 7 Stunden gedauert hat. So etwas nehmen die Menschn in der Ukraine in Kauf, wenn es um die Restaurierung einer Orgel geht, die schon lange nicht mehr ihre besten Tage gehabt hat.

So kommen wir am Donnerstagabend gegen 19Uhr im Refektorium der Kathedrale an, um mit den Orgelbauern und Priestern das Abendessen einzunehmen und danach ein erstes Kennenlernen der Orgel zu wagen. Es gibt Krautsalat, Krautgemüse, Kartoffelbrei,
eingemachte Tomaten, seltsame Wurst- und Darmkombinationen und allerlei andere ukrainische Spezialitäten, die kein deutscher Orgelbauer je zu essen angedacht hat. Und diese speziellen Mahlzeiten setzen sich auch in dieser Form in den nächsten Tagen fort, was zur Folge hat, dass die längst überfällige Gewichtsreduktion des deutschen Orgelbauers ordentliche Formen angenommen hat.

Gregoriy bemerkt bereits am ersten Tage die Zurückhaltung des Orgelbauers beim Essen und ermuntert den deutschen doch richtig zuzulangen, worauf dieser entgegnet: „ this is not allowed für organbuilder, to eat so much, becouse the organs are too small, but it is allowed to the priest!“, was mit allgemeinen Gelächter quittiert wird, denn Gregorii beweist durch seine Gestalt, dass er sich um enge Orgeln kaum bekümmern könnte.

Der erste Kontakt mit der Orgel in der Kathedrale, die leidlich geheizt war, überraschte mich nicht, da ich bereits von Vitaly eine umfangreiche Bildsammlung per Email zugeschickt bekam.

Als Schlafstätte wird mir das Apartment des Bischofs zu geteilt, das warm und mit hervorragendem Badezimmer ausgestattet ist.

Am nächsten Morgen, … ich erspare mir die aufgetischten Speisen in allen Einzelheiten zu beschreiben, es sei nur so viel gesagt, dass durch ein seltsames Glück ein Glas Honig durch all die Kraut- und Wurstvitrinen den Weg zu mir gefunden hat und dies mit Brot und Butter unterfüttert die Sache des Frühstücks erledigt hat…,  und an der Reihe war nun natürlich der Aufgang zur Orgel mit dem Plan alles erforderlich zu tun, damit man eine anständige Dokumentation erstellen kann.

Die Orgel in der Kathedrale in Schitomir wurde im Jahre 1895 von Hermann Walcker aufgenommen, der nach dem Bau der Walcker-Orgel in Riga verblieb und sich auch in dieser Stadt verheiratete. Hermann Walcker war das verbindende Glied für alle in Russland tätige Orgelvorhaben von Walcker. Es handelte sich um rund 100 Orgeln, die von 1894 bis 1914 in russischen Städten aufgebaut wurden. Hermann hat eine Maßskizze dieser vorhandenen Orgel erstellt und den Umbau dieser Orgel auf Kegelladen unter Verwendung von erheblichen Teilen des Pfeifenwerks geplant.

Die Fertigung dieser Orgel fand im Jahre 1897 statt. Die ursprünglich geplante Auslieferung im September 1897 konnte aber nicht eingehalten werden. Man intonierte noch im Oktober 1897 in der Werkstatt.

Die neue Walcker-Orgel wurde mit pneumatischen Kegelladen gefertigt.

Abbildung 4 Die Walcker-Orgel in der Kathedrale in Schitomir

Das Pfeifenwerk wurde, wie in der Disposition angegeben, von der alten Orgel zu erheblichen Teilen übernommen. Neu im ersten Manual waren Floete und Gemshorn 8‘, im zweiten Manual Concertflöte, Aeoline und Voix celeste 8‘, im Pedal Violonbaß 16‘ und Violoncello 8‘. Windanlage und Windladen wurden samt dem Gestell neu gefertigt. Das Gehäuse blieb alt, der Spieltisch wurde neu gefertigt, mit Blick zum Altar.

Abbildung 6 Obere Windlade II.Manual, Voix celest, Aeoline, Salicional, Concertflöte, Geigenprincipal

Die alten Prospektpfeifen weisen erhebliche Mängel auf, während das Pfeifenmaterial von Walcker sich ganz gut durch die Zeit brachte.

Abbildung 7 Prospektpfeifen

Abbildung 8 Pfeifen der oberen Lade des I.Manuals, Gambe, Gemshorn, Bourdon 16′, Principal

Der Spieltisch der Orgel wartet mit übersichtlicher Gestaltung auf, die sich auch im Inneren des Spieltisches vorsetzt. Es sind keine komplizierten Steuerungen erforderlich, weswegen die Überarbeitung dieses Spieltisches kein Problem darstellt.

Abbildung 9 Spieltisch der Walcker-Orgel in Schitomir

Nun, am Ende meines Aufenthaltes in Schitomir bleibt noch zu berichten, wie interessant die Gespräche waren mit Bischof Vitaliy Skomarowski in Schitomir, auch während den Mahlzeiten, und Bischof Stanislaw Shyrokoradyuk in Kiew, dessen Apartment ich in Schitomir bewohnen durfte.

Nachdem wir morgens um 5 Uhr ins bitterkalte Fahrzeug am Montag, den 17.Dezember gestiegen sind, und rasch die perfekt gebaute Verbindungsstraße von Lemberg nach Kiew erreicht hatten, waren Grigorij und ich überrascht zu sehen, dass wir sehr leicht zum vereinbarten Zeitpunkt in Kiew schon 3 Stunden früher erreichen würden. Und so war es.

Bischof Stanislav, Präsident der Caritas in der Ukraine, erwartete uns und geleitete mich zum Erzbischof Peter, der ebenfalls in die Sache der Orgelrestaurierung eingeweiht war. So entwickelte sich rasch ein Gespräch über Orgel- und Orgelmusik in diesem Land und welche Möglichkeiten von solch einer Restaurierung ausgehen könnten.

Es war noch möglich im Anschluss an die Gespräche ein Frühstück in MacDonalds einzunehmen, um langsam wieder an die westeuropäische Küche herangeführt zu werden, und ein paar der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Kiew zu sehen, bevor ich wieder mit der Lufthansa-Maschine auf dem Kiewer-Boryspil-Hafen ins 20 Grad wärmere Deutschland entschwinden konnte.

gerhard@walcker.com

Schytomyr [ʒɪ’t] ukrainisch Житомир; russisch Житомир Schitomir, polnisch Żytomierz ist eine Großstadt in der Ukraine mit etwa 270.000 Einwohnern und Verwaltungssitz der gleichnamigen Oblast.

Dieser Reisebericht, vor 10 Jahren erstellt, wurde aus Anlass der erneuten Bombardierung der Stadt Schitomir und des völkerrechtswidrigen Angriffs der russischen Nation auf die Ukraine, erneut auf unseren Seiten veröffentlicht. Wir werden den Russen dieses Verbrechen an der Menschheit nie vergessen. Es ist unmittelbar vergleichbar mit den Verbrechen der deutschen Nazibande in den 1930-40er Jahren. gwm

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Wurlitzer-Organs in Deutschland

Spieltisch der Wurlitzer-Orgel in Berlin, Musikinstrumentenmuseum (nahe Potsdamer Platz)

Die größte Kino-Orgel auf europäischem Boden befindet sich derzeit im Musikinstrumentenmuseum in Berlin. Wir haben während unserer Arbeiten in Berlin dieses Instrument mehrfach besucht.

Diese Orgel wurde ursprünglich am 28.August 1929 in die neu erbaute Konzerthalle der Siemensvilla Berlin geliefert und eingebaut. Der musikbegeisterte Werner Ferdinand von Siemens hat diese Instrument bestellt,  nachdem er bereits an der Walcker-Orgel im Musikzimmer seiner Villa Freude gefunden hatte. Es gibt von W. F. von Siemens  ein Foto, wo er als Dirigent des Berliner Philharmonie Orchesters abgebildet ist.

In den Jahren 1981-83 wurde diese Wurlitzer-Orgel von der Firma Walcker in Murrhardt restauriert und im Musikinstrumentenmuseum aufgebaut. Dazu wurde eine umfangreiche Dokumentation erstellt, die in meinem Archiv vorliegt und bei mir beim erneuten Lesen  großes Interesse auslöste.

Wahrscheinlich gibt es kein Instrument in Europa, das eine vergleichbare komplexe und hoch komplizierte Traktur aufzuweisen hat, wie diese Wurlitzer-Orgel. Daher plane ich, diese  deutschsprachige Dokumentation, die es bis 1981 lediglich in englischer  Sprache gab, nun ergänzt mit Gedanken der Restaurateure als PDF hier zu zeigen, weil dadurch ein interessanter Zugang zum anglo-amerikanischen Orgelbau der Zeit (1910-1940) eröffnet wird.

Die Zeit der Kinoorgeln war in Deutschland sehr begrenzt und zwar von 1923 bis 1930, dann kam der Tonfilm samt Musik. Die Firmen Walcker, Furtwängler & Hammer und Sauer bauten rund 120 Oskalyd-Orgeln, Welte dürfte 150 Instrumenten und Steinmeyer etwa 30 Kinoorgeln fabriziert haben. Also gegen Wurlitzer, der mit 2240 Kinoorgeln an der Weltspitze stand, die bis 1942 produziert wurden, waren die deutschen Aktivitäten bescheidener Natur. Soweit ich mich erinnere hat Wurlitzer rund 8500 Orgeln in seiner Orgelbau-Zeit per Fließband erbaut.

In den 1970er Jahren hatte ich Gelegenheit im Raum Buffalo an einigen Kirchenorgeln von Wurlitzer zu arbeiten. Diese radikale „Rationalität“ jener Orgeln haben mich teilweise begeistert, teilweise aber auch abgestoßen. Wir waren wohnhaft in Tonawanda. Zu dieser Zeit hatte Wurlitzer in North Tonawanda, New York rund 2500 Mitarbeiter, aber die waren ins Geschäft der Musikautomaten und elektronischen Instrumenten involviert. Ab 1930 baute Wurlitzer rund 45.000 „juke boxes“ per year! Der Gründer der Company war Rudolph Wurlitzer gebürtiger Sachse aus Schilbach, der im Alter von 24 im Jahr 1853 in die USA auswanderte und ursprünglich Instrumente aus Deutschland in Amerika einführte. Im amerikanischen Orgelbau dieser Zeit war die deutsche Sprache der organole Begriffskosmos per se.

Es gibt noch eine weitere Wurlitzer-Orgel in Deutschland, im Frankfurter Museum, jedoch ist diese Orgel nicht spielbar.

Auf Youtube gibt es verschiedene Videos an der Wurlitzer in Berlin, darunter auch mit Cameron Carpenter ( nicht schlecht gespielt aber sorry about the terrible tuning)

Hier ein Einführungsvideo vom Museum:

es grüßt

gwm (wieder im Saarland)

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Walcker-Kegelwindlade in Berlin

Die Walcker-Orgel in der Siemensvilla in Berlin hat es in sich. So wurde 1916 vor Einbau der Orgel ein Heizkörper direkt unter einem Fenster unmittelbar hinter die Hauptwerkwindlade integriert, der wohl seit über 100 Jahren bei geringstem  Temperaturanlass auf Höchstmaß aufgedreht wurde.

Wir haben festgestellt, dass im Heizungskeller wohl ursprünglich Eierbriketts verheizt wurden, dann wurde Heizöl verwendet, das in 80.000 l- Tanks gut und sicher eingelagert wurde. Immer wenn es nur minimal unterkühlt war, wurde geheizt.

Zur Folge hatte dieser ganze Spaß, dass die Stöcke der Windladen in stark gekrümmte Smiley’s verwandelt wurden. Der Lacheffekt hielt sich in Grenzen. Leider sind nicht nur diese Holzteile der Windladen in Mitleidenschaft gezogen sondern nahezu alle Holzpfeifen.

Eine wahre Offenbarung hingegen erfuhren wir beim Öffnen der Kegelwindladen. Schnell wurde klar, dass hier ein Meister alter Schule tätig war, der unsere Arbeit an diesen Windladen wohl aufs Reinigen begrenzen wird.

 

gwm nach Besuch der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz und der Max-Liebermann-Villa, ein paar Häuser weiter. Letzteres ist mit Garten und weiträumiger Anlage  ein wirklich empfehlenswerter Besuch. Ein Haus eines Juden und eine Wirkungsstätte des erklärten Zerstörungswillens einer verrückten Verbrecherklicke in unmittelbarer Nachbarschaft, das ist schon konzentriertes Beisammensein von totaler Gegensätzlichkeit. Das wird lange dauern so ein Zusammensein zu sortieren.

 

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Die Walcker-Organola in Berlin-Siemensvilla

Ja, es ist schon ein seltsames Gefühl nach einem Zeitrahmen von 50-60Jahren Unspielbarkeit wieder eine solch komplexe Maschine wie diese Walcker-Organola zum Leben zu erwecken.

Verzeihen Sie mir daher das übersprudelnde Temperament beim Erläutern der verschiedenen Funktionen und Schalterchen. Vielleicht wird manchem Zuseher sogar völlig schwarz vor Augen und Verstand, was das  für eine Maschine denn ist, die da vor sich herrattert.

Die Bewegung dreier Bälge wird umgewandelt in eine Kreisbewegung, die eine papierne Rolle bewegt, und die Rolle ist mit kleinen Stanzlöchern versehen mit denen orgelbautechnischer „Wind“ durch Löcher und Rohre hoch zum Pfeifenwerk geleitet wird. Was verursacht, dass dort Pfeifen zu klingen beginnen, – so könnte man es in Worte fassen, aber schöner ist es im Gesamtbild zu erleben.

Ganz gleich wie schön oder hässlich man derartig fabrizierte Musik empfindet, um die Jahrhundertwende 19. aufs 20.JH  war das eben eine grandiose Technik, die scheinbar auch Werner von Siemens in seiner Villa in Berlin-Lichterfelde begeisterte. Und uns hat es unheimlich gefallen dort in der Orgel die alten Stromschalter, Lichter und Leitungen zu betrachten, die doch irgendwie was mit der Identität von Siemens und Correns zu tun hatten: das Gefühl endlich an den roots der deutschen Technik angekommen zu sein…

Vielleicht aber wars nur ein Irrtum…. mitten im I.Weltkrieg eine Orgel in Berlin aufzubauen und mit diesem Krieg einen Weltenbrand ausgelöst zu haben, der dieses 20. JH in zwei Hälften riss. In eine Vulkanexplosion die eine Hälfte und eine friedensreiche zweite Hälfte, die allerdings der Natur den Todesstoß versetzen sollte. Vielleicht?

es grüßt bestens,

Gerhard Walcker-Mayer

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Von Bälgchen und Membranen

Unter der Hauptwerkwindlade

wie komplex eine solch relative gemäßigte Orgel sein kann, zeigt das Beispiel das ich nachfolgend demonstriere.

Zunächst sehen wir im Bild oben die Balg-Membranleisten, welche unter dem I.Man befestigt werden.

Man erkennt unmittelbar die unterschiedlichen Größen der Bälgchen und Membranen. Stellt sich die Frage: weswegen aber die Mischung aus Membranen und Bälgchen?

Wir erkennen sehr schnell das orgeltypische Koordinatensystem (x-Achse von links nach rechts C-c4 und y-Achse die Register unten beginnend beim Prinzipal 8′, ganz oben die Cymbel 3f.)

 

Die Kegel des Prinzipal 8′ werden also mit Membranen bedient, während bei anderen Register sowohl Membranen wie Bälgchen vorkommen.

Das findet seinen Grund darin, dass verschiedene Pfeifen sowohl vom Pedal und I.Manual angespielt werden, aber auch spielt das I.Manual Pfeifen der Pedallade an z.B. beim eingeschalteten Gedeckt 16′, der die tiefen Subbaßpfeifen dafür nutzt.

Damit das nun keine ungewünschten Zwischentöne gibt, werden bei eingeschalteter Transmission im Pedal, zum Beispiel Cello 8 die Pfeifen der Viola 8 gespielt (das ist die 4.Reihe von unten) und dabei werden technisch raffinierte Maßnahmen ergriffen. Über beiden Bälgchenreihen schweben zwei Eisenstangen, die in der Regel auf den Bälgchen aufliegen und die damit keine Ventile öffnen können. Bei Einschaltung des Cello 8′ im Pedal wird die Eisenstange über die 30 Bälgchen des Pedals gehoben und Pfeifen erklingen dann, wenn entsprechende Tasten im Pedal gedrückt werden. Im ersten Manual erklingt hingegen kein Violaton, obwohl die Kanzelle dieses Registers mit Wind gefüllt ist, weil eben die Eisenstange alle Bälgchen des Manuals fixiert hält, bis das Register Viola 8′ eingeschaltet wird.

Ein sehr komplexes Verfahren, das auf exakte Regulierung und Maßhaltigkeit bei den Bälgchen angewiesen ist.

Dazu ein weiteres Foto, an dem man erkennt, dass die Bälgchen sehr genau gefertigt sein müssen.

Denn hätten wir selbst minimal Maßdifferenzen zwischen diesen Bälgchen, wäre es möglich, dass auch mit niedergedrückter Eisenstange Bewegungen durch diese Bälgchen verursacht werden können, oder im anderen Fall die Reise zum Heben der Kegel nicht ausreichen würde.

Eine ähnliche Problematik finden wir in dem weiter fortgeschrittenen Spieltisch dieser Orgel, wo wir nun nach Einbau der Bälgchen mit dem Einbau der Bleirohre begonnen haben:

gewalcker 22.05.22

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