Dreimanualiger pneum. Spieltisch, Restaurierung (also in english)

Dieser III-manualiger pneumatischer Spieltisch mit einer sehr interessanten Koppelanlage in der sich 17 Koppeln offenbaren, die pneumatische Impulse in Mechanik überträgt, wodurch wiederum ein pneumatischer Impuls ausgelöst wird, hat uns in der Folge einige nachdenkenswerte Tage beschert (ohne an Weihnachten oder die Ukraine zu denken).

An diesem Foto sehen wir die Rückseite des Spieltisches, an der die Koppelanlage auch für spätere Regulierungszwecke zugängig wird.

Wir haben zum Beispiel zum III.Manual 10 Koppeln, die dort hinein wirken, was hier so gelöst wurde, dass auf entsprechenden Tönen 10 Holzringe angebracht sind, die von 10 unterschiedlichen Membranen gehoben werden können, was dann das entsprechende Ventil für das III.Manual hebt und den pneumatischen Impuls freigibt, der wiederum über Bleileitung an die entsprechende Windlade weitergegeben wird.

Ein großer Jammer war, dass alle die dafür erforderlichen Aludrähte (Abstrakten) direkt am Ventil durch Säureeinwirkung der Lederscheiben soweit zerstört waren, das diese Aludrähte bei kleinster Berührung abbrachen.

Hier war also zunächst gefragt

  • wie können wir schnellstmöglich die Aluabstrakten mit 2,4mm besorgen
  • wer kann die erforderlichen Gewinde zu humanen Preisen einwalzen
  • woher bekommen wir die erforderlichen Ventilscheiben

Punkt eins und zwei konnten in wenigen Tagen geklärt werden. Bei dem letzten Punkt habe ich mich entschieden einen Ortur-Laser zu besorgen und alle diese Kleinteile konnten somit in unserer Werkstatt gelasert werden (hat eine Menge Spaß gemacht, auch wenn das eine oder andere Teil zwei-dreimal gelasert werden mussten).

Anstelle der Pappe, wie in der ehemaligen Konstruktion haben wir Vielschichtplatten verwendet, wo das Gewinde sich wesentlich besser befestigt.

Beim dritten Manual müssen wir bis zu 10 Ringe auf einen Draht aufbringen, was sehr viel Geduld erfordert, andernfalls werden die Drähte sofort unwiederbringlich verbogen.

Aber auch beim II.Manual sind es noch bis zu 7 Ringe per Draht.

Anstelle Bälgchen, wie in einer älteren Walcker-Zeichnung aufgeführt, hat der Erbauer hier Membranen mit Holzplättchen verwendet, was durch die Keilwirkung denselben Hebeleffekt hat und gut das Gewicht der Aludrähte samt Plättchen hebt.

 

Links sehen wir das kurz vor dem Einbau stehende Relais des III.Manuals und rechts den Spieltischkorpus mit vier eingebauten Koppelbälgen und Membranreihen.

Hier möchte ich noch eine kurze Videosequenz zeigen, wo man die Membranen am Werk sieht, wenn solche Koppeldrähte angehoben werden: https://www.youtube.com/watch?v=8UAr20dpYNw

Und hier noch die beiden Registerstaffleien, die Disposition zeigend mit den angesprochenen Koppeln:

Hier noch eine kurze Videosequenz in der die Membranen samt Koppeldrähten in Aktion gezeigt werden:

Youtube : koppelsystem

 

III-manual pneumatic console with a very interesting coupling system that transfers pneumatic impulses into mechanics, which in turn triggers a pneumatic impulse.
We have, for example, for the III manual 10 couplers that act in there, which was solved here in such a way that on corresponding notes 10 wooden rings are attached that can be lifted by 10 different diaphragms, which then lifts the corresponding valve for the III manual and releases the pneumatic impulse, which in turn is passed on via lead to the corresponding windchest.
A great pity was that all the necessary aluminium wires (abstracts) directly at the valve had been destroyed by the acid effect of the leather discs to such an extent that these aluminium wires broke off at the slightest touch.
So the first question was
– how can we get the aluminium abstracts with 2.4mm as quickly as possible?
– who can roll in the necessary threads at a reasonable price?
– where can we get the necessary valve discs?
Points one and two could be solved within a few days. On the last point I decided to get an Ortur laser and all these small parts could thus be lasered in our workshop (was a lot of fun, even if one or the other part had to be lasered two-three times). Instead of cardboard, as in the former construction, we used multilayer boards, where the thread attaches much better.
For the third manual, we have to apply up to 10 rings to one wire, which requires a lot of patience, otherwise the wires are immediately bent beyond repair.
But even with the second manual, there are still up to 7 rings per wire.
Instead of bellows, as shown in an older Walcker drawing, the builder used diaphragms with wooden plates, which has the same lifting effect due to the wedge effect and lifts the weight of the aluminium wires together with the plates.

gewalcker

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Dreimanualiger Spieltisch wird restauriert und….

Hin und wieder erhalte ich Mitteilungen von alten Bekannten oder Orgelfreunden die auf unseren Internetseiten zu wenig Betriebsamkeit entdecken. Das kann ich nur unterschreiben, weil wir sehr stark in unserem neuen Spieltisch eingebunden sind, dessen Restaurierung im Dezember abgeschlossen sein muss.

Es handelt sich um einen dreimanualigen, pneumatischen Kasten, der mit 17 Koppeln eine pathetische  und äußerst überlegte Anlage darstellt. Um nicht das Auge des in Zeichnungen weniger erfahrenen Betrachters zu überfordern, zeige ich nur einen Ausschnitt mit den Klaviaturen. Der Rest wird gelegentlich nach der Fertigstellung gezeigt, weil eben das Koppelsystem einfach eine sehr überlegte Sache darstellt. Man vermutet als Erbauer Sauer-Walcker 1929.

Hinzu kommt, dass ich persönlich mehr und mehr, ergänzend zur Musik des 19.JH, nun auch in Literatur der Romantik eingebunden bin, was die geringer werdende Freizeit abermals schmält. Und gerade hier hat mich ein scheinbar kleines Vorwort  zum  “Buch der Lieder” von Heinrich Heine zutiefst  erschüttert. Wie kann man “Wahrheit”, wie sie die Philosophen seit 3000 Jahren vergeblich suchten, noch klarer und deutlicher in solch schlichten Worten ausdrücken? Einfach umwerfend schön!

O, Ihr Götter! ich bitte Euch nicht mir die Jugend zu lassen, aber lasst mir die Tugenden der Jugend, den uneigennützigen Groll, die uneigennützige Träne! Lasst mich nicht ein alter Polterer werden, der aus Neid die jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Jammermensch, der über die gute alte Zeit beständig flennt… Lasst mich ein Greis werden, der die Jugend liebt, und trotz der Altersschwäche noch immer Teil nimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meine Stimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte unerschrocken und frisch bleibt!

denn…, denn…., denn…

»Und scheint die Sonne noch so schön,

Am Ende muss sie untergehn!«

Es grüßt Euch

gwm

apropos Heinrich Heine: er war zur Zeit der Niederschrift dieser Worte gerade mal 40, hat gerade mal die 59 erreicht. Also die Gefahr, jemals ins demente Deutschdenken abzusacken, hat er nie kennengelernt. Aber durch seine Worte wissen wir nun, in welchem Schlangennest wir eigentlich sitzen.

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Reisebericht aus Schitomir / Ukraine im Dezember 2012

       Abbildung 1 Kathedrale von Schitomir, Ukraine

Eine der seltsamen Reisen, die man als Orgelbauer so machen darf, ins Land des Nikolai Gogol, das wohl auf den ersten Blick noch so aussieht, wie es wohl vor 200 Jahren aussah. Also man geht in der Zeit zurück, so etwa vor dem Bau der Petersburger- und Rigaer-Walcker-Orgeln.

Bitterkalt und mit dicken Eis- und Schneeschichten auf den Straßen. Aber, die „Toten Seelen des Wassiljewitsch“ konnte ich nicht finden, dafür die dahinter verborgene Ironie. Und, was noch viel schöner war, die verschmitzten Gesichter der Ukrainer, die in solchen Geschichten wie in Gogols Romanen, die sie mit unerbittlicher Regelmäßigkeit neu zu lesen verstehen, ihre Identifikation gefunden haben.

Von Vitaliy Chyzhevskyy erfuhr ich vom bedenklichen Zustand der Walcker-Orgel in der Kathedrale zu Schitomir.

Da ich mich einige Zeit mit den Walcker-Orgeln in der ehemaligen Sowjetunion beschäftigt habe, kannte ich das Instrument aus dem Buch von Leonid Rojsmann (erschienen GDO 2001). Und so begann ich rasch noch vor Weihnachten eine Reise in die Ukraine zusammen zu stellen, um mich mit Orgel und Leuten in Schitomir zu beschäftigen, die dieses Instrument wieder auf Vordermann bringen wollten.

Sehr erfreut war ich zu hören, dass man dieses Signal in Schitomir ebenfalls mit überraschter Freude zur Kenntnis nahm und dass mich der Prior persönlich mit einem deutschsprechenden Vikar am Flughafen in Kiew abzuholen gedachte.

Abbildung 2 Vikar Jaroslaw, Orgelbauer Vitaliy, Sergei 

Das alles geschah nun am 13. Dezember 2012. Pater Grigoriy und Vikar Jaroslaw erwarteten mich im nagelneuen Flughafen zu Kiew. Ihre Anreise von Schitomir war durch erheblichen Schneefall der letzten Tage ein wahres Abendteuer geworden und genauso die Rückfahrt, an der ich teilhaben sollte. Aber dennoch wollten sie mir noch in aller Ruhe die Stadt Kiew zeigen, was durch den starken Verkehr ein weiteres Abendteuer werden sollte, was unsere Fahrt zurück nach Schitomir erheblich verzögerte.

Vom Lemberg waren die beiden Orgelbauer Vitaliy und Sergey gleichzeitig unterwegs nach Schitomir, von Westen nach Osten, auch eine hübsche Strecke, die bei dem Glatteis auf der Landstraße gut und gerne 7 Stunden gedauert hat. So etwas nehmen die Menschn in der Ukraine in Kauf, wenn es um die Restaurierung einer Orgel geht, die schon lange nicht mehr ihre besten Tage gehabt hat.

So kommen wir am Donnerstagabend gegen 19Uhr im Refektorium der Kathedrale an, um mit den Orgelbauern und Priestern das Abendessen einzunehmen und danach ein erstes Kennenlernen der Orgel zu wagen. Es gibt Krautsalat, Krautgemüse, Kartoffelbrei,
eingemachte Tomaten, seltsame Wurst- und Darmkombinationen und allerlei andere ukrainische Spezialitäten, die kein deutscher Orgelbauer je zu essen angedacht hat. Und diese speziellen Mahlzeiten setzen sich auch in dieser Form in den nächsten Tagen fort, was zur Folge hat, dass die längst überfällige Gewichtsreduktion des deutschen Orgelbauers ordentliche Formen angenommen hat.

Gregoriy bemerkt bereits am ersten Tage die Zurückhaltung des Orgelbauers beim Essen und ermuntert den deutschen doch richtig zuzulangen, worauf dieser entgegnet: „ this is not allowed für organbuilder, to eat so much, becouse the organs are too small, but it is allowed to the priest!“, was mit allgemeinen Gelächter quittiert wird, denn Gregorii beweist durch seine Gestalt, dass er sich um enge Orgeln kaum bekümmern könnte.

Der erste Kontakt mit der Orgel in der Kathedrale, die leidlich geheizt war, überraschte mich nicht, da ich bereits von Vitaly eine umfangreiche Bildsammlung per Email zugeschickt bekam.

Als Schlafstätte wird mir das Apartment des Bischofs zu geteilt, das warm und mit hervorragendem Badezimmer ausgestattet ist.

Am nächsten Morgen, … ich erspare mir die aufgetischten Speisen in allen Einzelheiten zu beschreiben, es sei nur so viel gesagt, dass durch ein seltsames Glück ein Glas Honig durch all die Kraut- und Wurstvitrinen den Weg zu mir gefunden hat und dies mit Brot und Butter unterfüttert die Sache des Frühstücks erledigt hat…,  und an der Reihe war nun natürlich der Aufgang zur Orgel mit dem Plan alles erforderlich zu tun, damit man eine anständige Dokumentation erstellen kann.

Die Orgel in der Kathedrale in Schitomir wurde im Jahre 1895 von Hermann Walcker aufgenommen, der nach dem Bau der Walcker-Orgel in Riga verblieb und sich auch in dieser Stadt verheiratete. Hermann Walcker war das verbindende Glied für alle in Russland tätige Orgelvorhaben von Walcker. Es handelte sich um rund 100 Orgeln, die von 1894 bis 1914 in russischen Städten aufgebaut wurden. Hermann hat eine Maßskizze dieser vorhandenen Orgel erstellt und den Umbau dieser Orgel auf Kegelladen unter Verwendung von erheblichen Teilen des Pfeifenwerks geplant.

Die Fertigung dieser Orgel fand im Jahre 1897 statt. Die ursprünglich geplante Auslieferung im September 1897 konnte aber nicht eingehalten werden. Man intonierte noch im Oktober 1897 in der Werkstatt.

Die neue Walcker-Orgel wurde mit pneumatischen Kegelladen gefertigt.

Abbildung 4 Die Walcker-Orgel in der Kathedrale in Schitomir

Das Pfeifenwerk wurde, wie in der Disposition angegeben, von der alten Orgel zu erheblichen Teilen übernommen. Neu im ersten Manual waren Floete und Gemshorn 8‘, im zweiten Manual Concertflöte, Aeoline und Voix celeste 8‘, im Pedal Violonbaß 16‘ und Violoncello 8‘. Windanlage und Windladen wurden samt dem Gestell neu gefertigt. Das Gehäuse blieb alt, der Spieltisch wurde neu gefertigt, mit Blick zum Altar.

Abbildung 6 Obere Windlade II.Manual, Voix celest, Aeoline, Salicional, Concertflöte, Geigenprincipal

Die alten Prospektpfeifen weisen erhebliche Mängel auf, während das Pfeifenmaterial von Walcker sich ganz gut durch die Zeit brachte.

Abbildung 7 Prospektpfeifen

Abbildung 8 Pfeifen der oberen Lade des I.Manuals, Gambe, Gemshorn, Bourdon 16′, Principal

Der Spieltisch der Orgel wartet mit übersichtlicher Gestaltung auf, die sich auch im Inneren des Spieltisches vorsetzt. Es sind keine komplizierten Steuerungen erforderlich, weswegen die Überarbeitung dieses Spieltisches kein Problem darstellt.

Abbildung 9 Spieltisch der Walcker-Orgel in Schitomir

Nun, am Ende meines Aufenthaltes in Schitomir bleibt noch zu berichten, wie interessant die Gespräche waren mit Bischof Vitaliy Skomarowski in Schitomir, auch während den Mahlzeiten, und Bischof Stanislaw Shyrokoradyuk in Kiew, dessen Apartment ich in Schitomir bewohnen durfte.

Nachdem wir morgens um 5 Uhr ins bitterkalte Fahrzeug am Montag, den 17.Dezember gestiegen sind, und rasch die perfekt gebaute Verbindungsstraße von Lemberg nach Kiew erreicht hatten, waren Grigorij und ich überrascht zu sehen, dass wir sehr leicht zum vereinbarten Zeitpunkt in Kiew schon 3 Stunden früher erreichen würden. Und so war es.

Bischof Stanislav, Präsident der Caritas in der Ukraine, erwartete uns und geleitete mich zum Erzbischof Peter, der ebenfalls in die Sache der Orgelrestaurierung eingeweiht war. So entwickelte sich rasch ein Gespräch über Orgel- und Orgelmusik in diesem Land und welche Möglichkeiten von solch einer Restaurierung ausgehen könnten.

Es war noch möglich im Anschluss an die Gespräche ein Frühstück in MacDonalds einzunehmen, um langsam wieder an die westeuropäische Küche herangeführt zu werden, und ein paar der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Kiew zu sehen, bevor ich wieder mit der Lufthansa-Maschine auf dem Kiewer-Boryspil-Hafen ins 20 Grad wärmere Deutschland entschwinden konnte.

gerhard@walcker.com

Schytomyr [ʒɪ’t] ukrainisch Житомир; russisch Житомир Schitomir, polnisch Żytomierz ist eine Großstadt in der Ukraine mit etwa 270.000 Einwohnern und Verwaltungssitz der gleichnamigen Oblast.

Dieser Reisebericht, vor 10 Jahren erstellt, wurde aus Anlass der erneuten Bombardierung der Stadt Schitomir und des völkerrechtswidrigen Angriffs der russischen Nation auf die Ukraine, erneut auf unseren Seiten veröffentlicht. Wir werden den Russen dieses Verbrechen an der Menschheit nie vergessen. Es ist unmittelbar vergleichbar mit den Verbrechen der deutschen Nazibande in den 1930-40er Jahren. gwm

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Wurlitzer-Organs in Deutschland

Spieltisch der Wurlitzer-Orgel in Berlin, Musikinstrumentenmuseum (nahe Potsdamer Platz)

Die größte Kino-Orgel auf europäischem Boden befindet sich derzeit im Musikinstrumentenmuseum in Berlin. Wir haben während unserer Arbeiten in Berlin dieses Instrument mehrfach besucht.

Diese Orgel wurde ursprünglich am 28.August 1929 in die neu erbaute Konzerthalle der Siemensvilla Berlin geliefert und eingebaut. Der musikbegeisterte Werner Ferdinand von Siemens hat diese Instrument bestellt,  nachdem er bereits an der Walcker-Orgel im Musikzimmer seiner Villa Freude gefunden hatte. Es gibt von W. F. von Siemens  ein Foto, wo er als Dirigent des Berliner Philharmonie Orchesters abgebildet ist.

In den Jahren 1981-83 wurde diese Wurlitzer-Orgel von der Firma Walcker in Murrhardt restauriert und im Musikinstrumentenmuseum aufgebaut. Dazu wurde eine umfangreiche Dokumentation erstellt, die in meinem Archiv vorliegt und bei mir beim erneuten Lesen  großes Interesse auslöste.

Wahrscheinlich gibt es kein Instrument in Europa, das eine vergleichbare komplexe und hoch komplizierte Traktur aufzuweisen hat, wie diese Wurlitzer-Orgel. Daher plane ich, diese  deutschsprachige Dokumentation, die es bis 1981 lediglich in englischer  Sprache gab, nun ergänzt mit Gedanken der Restaurateure als PDF hier zu zeigen, weil dadurch ein interessanter Zugang zum anglo-amerikanischen Orgelbau der Zeit (1910-1940) eröffnet wird.

Die Zeit der Kinoorgeln war in Deutschland sehr begrenzt und zwar von 1923 bis 1930, dann kam der Tonfilm samt Musik. Die Firmen Walcker, Furtwängler & Hammer und Sauer bauten rund 120 Oskalyd-Orgeln, Welte dürfte 150 Instrumenten und Steinmeyer etwa 30 Kinoorgeln fabriziert haben. Also gegen Wurlitzer, der mit 2240 Kinoorgeln an der Weltspitze stand, die bis 1942 produziert wurden, waren die deutschen Aktivitäten bescheidener Natur. Soweit ich mich erinnere hat Wurlitzer rund 8500 Orgeln in seiner Orgelbau-Zeit per Fließband erbaut.

In den 1970er Jahren hatte ich Gelegenheit im Raum Buffalo an einigen Kirchenorgeln von Wurlitzer zu arbeiten. Diese radikale “Rationalität” jener Orgeln haben mich teilweise begeistert, teilweise aber auch abgestoßen. Wir waren wohnhaft in Tonawanda. Zu dieser Zeit hatte Wurlitzer in North Tonawanda, New York rund 2500 Mitarbeiter, aber die waren ins Geschäft der Musikautomaten und elektronischen Instrumenten involviert. Ab 1930 baute Wurlitzer rund 45.000 “juke boxes” per year! Der Gründer der Company war Rudolph Wurlitzer gebürtiger Sachse aus Schilbach, der im Alter von 24 im Jahr 1853 in die USA auswanderte und ursprünglich Instrumente aus Deutschland in Amerika einführte. Im amerikanischen Orgelbau dieser Zeit war die deutsche Sprache der organole Begriffskosmos per se.

Es gibt noch eine weitere Wurlitzer-Orgel in Deutschland, im Frankfurter Museum, jedoch ist diese Orgel nicht spielbar.

Auf Youtube gibt es verschiedene Videos an der Wurlitzer in Berlin, darunter auch mit Cameron Carpenter ( nicht schlecht gespielt aber sorry about the terrible tuning)

Hier ein Einführungsvideo vom Museum:

es grüßt

gwm (wieder im Saarland)

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Von Bälgchen und Membranen

Unter der Hauptwerkwindlade

wie komplex eine solch relative gemäßigte Orgel sein kann, zeigt das Beispiel das ich nachfolgend demonstriere.

Zunächst sehen wir im Bild oben die Balg-Membranleisten, welche unter dem I.Man befestigt werden.

Man erkennt unmittelbar die unterschiedlichen Größen der Bälgchen und Membranen. Stellt sich die Frage: weswegen aber die Mischung aus Membranen und Bälgchen?

Wir erkennen sehr schnell das orgeltypische Koordinatensystem (x-Achse von links nach rechts C-c4 und y-Achse die Register unten beginnend beim Prinzipal 8′, ganz oben die Cymbel 3f.)

 

Die Kegel des Prinzipal 8′ werden also mit Membranen bedient, während bei anderen Register sowohl Membranen wie Bälgchen vorkommen.

Das findet seinen Grund darin, dass verschiedene Pfeifen sowohl vom Pedal und I.Manual angespielt werden, aber auch spielt das I.Manual Pfeifen der Pedallade an z.B. beim eingeschalteten Gedeckt 16′, der die tiefen Subbaßpfeifen dafür nutzt.

Damit das nun keine ungewünschten Zwischentöne gibt, werden bei eingeschalteter Transmission im Pedal, zum Beispiel Cello 8 die Pfeifen der Viola 8 gespielt (das ist die 4.Reihe von unten) und dabei werden technisch raffinierte Maßnahmen ergriffen. Über beiden Bälgchenreihen schweben zwei Eisenstangen, die in der Regel auf den Bälgchen aufliegen und die damit keine Ventile öffnen können. Bei Einschaltung des Cello 8′ im Pedal wird die Eisenstange über die 30 Bälgchen des Pedals gehoben und Pfeifen erklingen dann, wenn entsprechende Tasten im Pedal gedrückt werden. Im ersten Manual erklingt hingegen kein Violaton, obwohl die Kanzelle dieses Registers mit Wind gefüllt ist, weil eben die Eisenstange alle Bälgchen des Manuals fixiert hält, bis das Register Viola 8′ eingeschaltet wird.

Ein sehr komplexes Verfahren, das auf exakte Regulierung und Maßhaltigkeit bei den Bälgchen angewiesen ist.

Dazu ein weiteres Foto, an dem man erkennt, dass die Bälgchen sehr genau gefertigt sein müssen.

Denn hätten wir selbst minimal Maßdifferenzen zwischen diesen Bälgchen, wäre es möglich, dass auch mit niedergedrückter Eisenstange Bewegungen durch diese Bälgchen verursacht werden können, oder im anderen Fall die Reise zum Heben der Kegel nicht ausreichen würde.

Eine ähnliche Problematik finden wir in dem weiter fortgeschrittenen Spieltisch dieser Orgel, wo wir nun nach Einbau der Bälgchen mit dem Einbau der Bleirohre begonnen haben:

gewalcker 22.05.22

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Keilbälgchen für Walcker-Spieltische

Man glaubt es kaum, wenn man diese simple Ansicht eines Walcker-Spieltisches ansieht, dass hier sage und schreibe 690 Keilbälgchen eingebaut sind. Die handtellergroßen Bälge zum Heben der Koppelgestänge sind da noch nicht mitgerechnet.

Hier ein Bild eines solchen Bälgchens

Bei diesen pneumatischen Steuerelementen sind neben dem Material zwei Dinge besonders wichtig:

a) sie müssen absolut perfekt schließen, das heißt das Leder darf nicht Widerstand leisten und der oberen Platte Widerstand entgegenbringen und

b) die Maße, Bohrungen, Breite und Länge sind exakt dem Original zu folgen. Denn schon geringe Maßtoleranzen können Probleme verursachen. Das Material sollte grundsätzlich aus gleichem bestehen, wie die original Bälgchen: Obere Platte Eiche, untere aus Fichte(Kiefer).

Das Leder sollte bestes Pneumatikleder sein (Jargon der Firma Herzog), das bessere Dichtigkeit und Widerstandskraft als Spaltleder besitzt. Das sind dann Dinge, die sich bei einer besseren Repetition bemerkbar machen

Hier nun bei unserem Spieltisch für Berlin haben wir eine solch hervorragende technische Transparenz, wie man es nicht oft antrifft. Man kann nahezu alle Bleirohrleisten problemlos von oben nach unten ausbauen und dasselbe passiert dann mit den Relais, die wir einfacherweise als Modul 1 bis 3 markiert haben.

Hier eine Zeichnung die zeigt, welch recht großer Umfang an unterschiedlichen Bälgchen und Bestückungen in diesem einfachen Spieltisch vorgenommen werden muss.

Ja, es trifft sich dann gut, dass wir unmittelbar nach Start der Arbeiten an diesem Spieltisch aus Berlin mit einem weiteren Auftrag, Restaurierung eines 3manualigen pneumatischen Spieltisches, beauftragt wurden, über den wir zu gegebener Zeit dann berichten werden.

gwm 5.März 22

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From our friend and organbuilder Vitaliy


we learn that he was also drafted into the military in Lviv (Lemberg). His wife and daughter managed to escape to Poland for the time being.
We offered him our help and hope that the resistance of free Ukraine against Russian aggression will have consequences.
Walcker was active in Ukraine several times, so an e-positive was sent to Worsel. I was in Zhitomir in 2013 on the occasion of a restoration request in the Roman-Catholic Church and made various proposals. There is also a quite passable travel report from Ukraine. Also in the Evang. church in Schitomir a Walcker organ was built under Opus 1709. At that time I had the opportunity to talk with two bishops about the political situation in the country.
With Vitaliy we were able to do beautiful restorations both in Costa Rica and San Salvador.

we are very sad about this development, but assure the whole Ukraine our deepest solidarity.

(Reisebericht von gwm: reise-nach-schitomir (1))

Gerhard Walcker-Mayer

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Die Walcker-Organola Patentschriften aus 1904

So umstritten die “Organola Selbstspielapparate” ab den 1920er Jahren auch waren, heute rückblickend kann man diese Wunder einer höchst sonderbaren Technik nur noch bestaunen. Und wenn es wie in unserem Auftrag der Fall ist, man Gelegenheit bekommt, solche Maschinen restaurieren zu dürfen, dann wird erstmal alles an Literatur herangezogen was nur geht.
So wurden alle Mittel und Wege ausgeschöpft, um einen detaillierten technischen Einblick zu bekommen. Da waren die beiden Patentschriften, die Walcker 1904 beim “Kaiserlichen Patentamt” einreichte, eine große Hilfe. Es wurden, wie bei allen Patenten üblich, zwei Zeichnungen mitgeliefert, die mehr oder weniger alles erklären, was sich bisher als Rätsel offenbarte.


Wir haben in unserem Archiv rund 30 Rollen für die Selbstspielanlage und die wollen wir natürlich nach der Restaurierung auch ausprobieren.
Hier kann man die Organola-Patentschriften als PDF-Dokument herunterladen.

Schöne Adventszeit wünscht

gerhard@walcker.com

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Vier romantische Walcker-Orgeln in Ostdeutschland

Vier wunderschöne spätromantische Walcker-Orgeln hat uns Christian Schmidt, Bad Düben, in den letzten Tagen zugestellt. Danke! Hier wird eine wirklich großartige Atmosphäre in sächsischen Kirchen geoffenbart. Ein tiefes Eintauchen in die Zeit vor den Weltkriegen weht aus diesen Bildern herüber. Hoffen wir, dass diese herrlichen Kirchen nicht mit Westmethoden aufgehübscht und kommerzialisiert werden.

Der Klang dieser Orgeln muss ungewöhnlich schön sein, wenn die Substanz all dieser Orgeln einmal musikalisch ansprechend dargestellt werden kann.
Das war der Grund die vier Instrumente noch dieses Wochenende in unsere Opusliste zu integrieren.
Hier die Links dazu:

Opus 1617 Göschnitz

Opus 1766 Ebersdorf

Opus 1875 Titschendorf

Opus 1563 Lodersleben

Mein Herz schlägt für den Osten, seitdem ich von diesen (und anderen) schönen Orgeln dort gefangen genommen worden bin.

gwm

 

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Über pneumatische Relais im Orgelbau

gibt es nicht sehr viel Literatur. (Ellerhorst ist ganz gut) Hin und wieder erhalten wir Anfragen die besonders auf schwierige Konstruktionen oder fehlerhafte Behandlungen rückschließen lassen.

 

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Steuerungen:

  1. das Relais mit positivem Ausgang
  2. das Abschalt-Relais

Hier die Ansicht eines solchen Relais wie 1)           und hier die Schnittskizze dazu

 

Wir sehen, wenn vom Registerschalter oder von der Walze ein Impuls kommt, geht das Ventil auf und der Abgang zum Register in der Orgel wird freigeschaltet.

Bei unserem pneumatischen dreimanualigen Spieltisch haben wir für alle Register ein solches Relais wie unter 1) beschrieben. Es kommt ein pneumatischer Impuls in Form von Winddruck auf eine Membrane, die ein Ventil daraufhin öffnet und damit am Ausgang ein Bleirohr mit Wind füllt, das wiederum auf ein Relais trifft, das mit diesem Winddruck geöffnet wird. Hier kommt oft die Frage auf, warum man denn nicht gleich den ersten Impuls an das zu öffnende Ventil in die Orgel führt.

Die Antwort ist, dass der Winddruck der von den Registertasten über die Kegelventile zum Ausgang am Spieltisch führen würde nicht ausreicht, nach 20-30m Bleirohrlänge diese pneumatischen Ventile noch zu öffnen. Denn im Bereich  der Registertasten liegen versteckt und windraubend verschiedene Rückschlagventile der Festen Kombinationen. Daher hat sich der Erbauer zu dieser Maßnahme entschlossen.

Bei Walcker-Spieltischen (wird weiter unten gezeigt) wären solche Konstruktionen unnötig, da diese Rückschlagventile (Aluminiumplättchen) kaum Wind durchlassen und die gesamte Registerpneumatik wesentlich solider und exakter verarbeitet ist, als die Pneumatik des Erbauers unseres besprochenen Spieltisches.

Bei der Schnittzeichnung finden wir noch ein Rückschlagventil, das verhindern soll, dass z.B. vom Register die Walze eingeschaltet werden soll.

Das Abschaltrelais nach 2) gibt Ausstromeffekte frei, wie sie bei unserer Membranenkoppel erforderlich werden.

Im Ruhezustand ist der Wind ständig eingeschaltet (links), im Aktivmodus hingegen wird Wind abgestellt (rechts).

Ein weiteres ist die Koppelkonstruktion über sogenannte “Membrankoppeln”. Ich zeige hier eine Zeichnung eines solchen Wechselwindrelais und möchte das noch kurz erläutern:

Ist die Koppel ausgeschaltet befindet sich in der Koppelkanzelle Wind (hier haben wir drei hellblau  markierte Kanzellen für die Koppeln Sup I, Sup I/P und I/P). In dem Moment, wo die Koppel eingeschaltet wird, wird der Wind abgestellt und die Membrankoppel kann Wind von der Tontraktur durchlassen. Drücktnman im I.Man den Ton C wird die Membrane gehoben und leitet den Druck weiter zum Ton c des I.Man.

Soweit so gut, das Ganze hat nur einen kleinen Nachteil, dass nämlich das Abschalten des Winddurchlasses bei den Membrankoppeln nicht 100% bei allen Tönen unterbricht, etwas Wind, 10-30mmWS, je nach Winddruck der herangeführten Kondukte, wird man dennoch messen können.

In der Regel macht das nichts aus, weil dieser Druck nicht ausreicht ein Ventil hochzudrücken, aber es hat Nachteile in der Repetition und z.B. bei der Melodiekoppel oder anderen Festen Kombinationen, die mit den Tastenwinddrücken vom I.-III.Manual arbeiten.  Auch hier hat Walcker eine robustere Konstruktion, die dann, wenn mit Koppelbälgchen anstatt mit Membranen gearbeitet wurde, noch viel mehr Sicherheit bietet.

Hier also das Koppelsystem bei Walcker:

 

Und hier noch eine ganze besondere Relaisschaltung, die mir mindestens ein Wochenende erhebliche Nachdenklichkeiten verschafft hat:

Zunächst einmal sei gesagt, dass hier ein erheblicher Teil der Bleirohre durch die Lieferung herausgefallen waren und schon allein dieser Umstand mehr als genug Probleme mit sich brachte. Dann aber war es nicht möglich irgendeine Person aufzufinden, die erklären konnte, wie denn die Melodiekoppel und das Autom. Pedal eingestellt waren. Mal abgesehen von dem Umstand, dass man hier kein frei einstellbares Autom. Pedal erwarten konnte, sondern dass einfach beim II. und beim III.Manual die Registrierung im Pedal reduziert wird.

So ging es also am Ende nur darum herauszufinden, welche Register durch das II. und III.Manual abgeschaltet werden, wenn dieses Autom. Pedal in Funktion ist.

Und hier die Lösung: wenn im I.Man. eine Taste bewegt wird, werden die beiden Möglichkeiten der Ventile 7/8 und 9/10 abgeschaltet. Durch eine raffinierte pneumatische Aktion konnte dieses Ventil das mit 26/27 betätigt werden kann beide genannten Manuale ausschalten.

Also daraus konnte ich schließen, dass die beiden Bleirohre in blau zu Relais Q und O eindeutig zugeordnet werden konnten. Das III.Manual (egal welche Taste gedrückt ist) schaltet über die beiden Ventile links die Tastenimpulse vom I. und II.Manual ab, während das II.Manual Tastenimpulse vom  I.Man. ausschaltet.

Sehr interessant gelöst, mit einer pneumatischen Selbsthalteschaltung, die durch Auslöser wieder gelöst werden konnte.

 

gwm

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