{"id":435,"date":"2018-07-28T13:44:45","date_gmt":"2018-07-28T13:44:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.walcker.com\/?p=435"},"modified":"2018-10-06T22:45:25","modified_gmt":"2018-10-06T22:45:25","slug":"zu-murrhardt-eine-stellungnahme-von-burkhart-goethe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.walcker.com\/?p=435","title":{"rendered":"zu Murrhardt eine Stellungnahme von Burkhart Goethe"},"content":{"rendered":"<p>Vor zwei Wochen erhielt ich, ganz \u00fcberraschend,\u00a0 eine Email vom zust\u00e4ndigen Sachverst\u00e4ndigen, die ich hier ungek\u00fcrzt und unkommentiert zeigen m\u00f6chte. Anlass zu diesem Schreiben war wohl <a href=\"https:\/\/walcker.com\/walckermagazin\/murrhardt-und-die-sieben-schwaben.html\">mein Artikel dazu<\/a>.<\/p>\n<p><em>Sehr geehrter Herr Walcker-Meyer,<\/em><\/p>\n<p><em>bezugnehmend auf Ihren Kommentar \u00bbMurrhardt und die sieben Schwaben\u00ab in Ihrer homepage bitte ich Sie, folgende Punkte zur Kenntnis zu nehmen:<\/em><\/p>\n<ol>\n<li><em>Im Gegensatz zu meinem Amtsvorg\u00e4nger Bornefeld habe ich w\u00e4hrend der letzten 36 Dienstjahre und bei rd. 560 Orgelberatungen niemals versucht, einer Kirchengemeinde im Falle eines Neubaues meinen Prospektentwurf zu oktroyieren, es sei denn, sie hat mich ausdr\u00fccklich darum gebeten. So auch nicht in Murrhardt, wo der Entwurf f\u00fcr das neue Instrument einzig und allein von Orgelbau M\u00fchleisen stammt.<\/em><\/li>\n<li><em>Bei der Planung einer neuen Orgel f\u00fcr Murrhardt habe ich anfangs durchaus den Versuch unternommen, die Gemeinde zur Erhaltung des Bornefeld-Prospektes (und auch gro\u00dfer Teile des Klangbestandes) zu bewegen. Leider konnte ich mich nicht gegen den \u00f6rtlichen Kirchenmusiker und einen mir noch heute v\u00f6llig unbekannten Stifter durchsetzen. Auch meine Empfehlung, das Instrument mit Blick auf die Raumgr\u00f6\u00dfe auf maximal 35 Register zu beschr\u00e4nken, blieb ungeh\u00f6rt. Diese Empfehlung hatte \u00fcbrigens auch der mitbietende Claudius Winterhalter ausgesprochen.<\/em><\/li>\n<li><em>Anl\u00e4\u00dflich einer Gemeindeversammlung im April 2015 zeigte sich, da\u00df ein gro\u00dfer Teil der Gemeindemitglieder seit Bau des Walcker\/Bornefeld-Instrumentes 1976\/77 sich ganz offensichtlich nie mit der Prospektgestaltung und hier vor allem den Holzpfeifen anfreunden konnte. Dies hat mich selbst \u00fcberrascht.<\/em><\/li>\n<li><em>Von den 91 durch Bornefeld gestalteten Orgeln wurden 2002 f\u00fcr den Bereich der w\u00fcrtt. Landeskirche nach einer fl\u00e4chendeckenden Bestandsaufnahme im Einvernehmen zwischen der \u00bbHeidenheimer Stiftung\u00ab und dem Evang. Oberkirchenrat 30 Instrumente zum Eintrag als Kulturdenkmal vorgeschlagen. Die Murrhardter Orgel wurde in diese Liste nicht aufgenommen, weil sie zu dieser Zeit bereits durch Kreisz ganz erheblich ver\u00e4ndert worden war. Diese Ver\u00e4nderungen 1996, 2000 und 2001 fielen nicht in meine Mitverantwortung, da Murrhardt erst seit 2002 zu meinen Dienstbereichen geh\u00f6rt.<\/em><\/li>\n<li><em>Fatalerweise kam es beim damaligen Landesdenkmalamt BW jedoch nie zu einem Eintrag der genannten 30 Orgeln als Kulturdenkmale. Fast die H\u00e4lfte, n\u00e4mlich 14 der Instrumente auf dieser Liste stehen in den von mir zu betreuenden Kirchenbezirken. Und 13 von diesem Instrumenten wurden zwischen 1985 und 2018 trotz fehlenden Denkmalschutzes und nicht selten gegen vehemente \u00c4nderungsw\u00fcnsche der Organisten\/Innen durch rein konservative Ma\u00dfnahmen (Hauptausreinigung\/techn.Instandsetzung\/Schimmel- und Anobienbehand-lung) instand gehalten, ohne da\u00df <strong>irgendwelche<\/strong> Ver\u00e4nderungen an Geh\u00e4usen und Klangaussagen erfolgt w\u00e4ren. Die j\u00fcngste Ma\u00dfnahme dieser Art erfolgte erst im April 2018 an der Walcker\/Bornefeld-Orgel (op. 3172, Bj. 1953, II\/12 mS) in der Evang. Matth\u00e4uskirche SHA-Hessental durch OBM Michael Mauch.<\/em><\/li>\n<li><em>Insgesamt wurden f\u00fcr die Erhaltung dieser 13 Orgeln (ohne lfd. j\u00e4hrliche Warungskosten) zwischen 1985 und 2018 umgerechnet 370.133,07 \u20ac ausgegeben. Das mag gering klingen, ist aber f\u00fcr die armen Hohenloher Kirchengemeinden eine Menge Geld.<\/em><\/li>\n<li><em>Bei op.3801 (Westorgel Stadtkirche Schorndorf, 1961, III\/45) lag die Sache anders: Hier waren nach heftigem Herumgeh\u00fcpfe w\u00e4hrend eines Pop-Konzertes die Widerlager in den Emporentreppungen so verrutscht, da\u00df Empore und Orgel statisch stark gef\u00e4hrdet waren. Die Empore wurde gesperrt und Lenter sicherte das Instrument durch Absprie\u00dfungen entsprechend ab. Dann wurde die Kirche komplett innenrenoviert und die Orgel \u2013wie so oft- entgegen dem Rat des OSV unzureichend verpackt. Es gab enorme Staubsch\u00e4den.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>\u00dcberdies hatte die elektrische Schwachstromanlage signifikante Sicherheitsm\u00e4ngel und die Trakturen waren erneuerungsbed\u00fcrftig. Aus diesem Grunde wurde eine technische Sanierung ausgeschrieben und Fa. M\u00fchleisen erhielt den Zuschlag. Sowohl der Prospekt (Entwurf Architekt Heim\/Stuttgart), als auch der gesamte Klangbestand blieben bis auf die Teilung von zwei gemischten Aliquotstimmen unver\u00e4ndert erhalten. F\u00fcr die Nachintonation haben wir KMD J\u00fcrgen Schwab aus Stuttgart als einen der profundesten Kenner Bornfeldscher Klangintention beratend hinzugezogen. Die gesamte Ma\u00dfnahme kostete 418.000 \u20ac. Trotz des gew\u00fcnschtes Einbaues einer Setzeranlage (mit dualer Beibehaltung der freien Kombinationen) blieb die Bornefeld\u2019schen Gestaltung auch des \u00a0 Spieltisches unver\u00e4ndert. Die Chororgel (Link\/Bornefeld) wurde ein Jahr sp\u00e4ter ebenfalls \u00fcberholt und bekam neue Registerzugmagnete. Auch sie blieb klanglich v\u00f6llig unver\u00e4ndert.<\/em><\/p>\n<p><em>Zusammenfassend kann ich sagen, da\u00df ich nicht zu den (sieben) Schwaben geh\u00f6re, sondern aus Norddeutschland stamme, wo ich eine fundierte, 6 \u00bd j\u00e4hrige Ausbildung als Schreiner, Orgelbauer und Pfeifenmacher erhielt. Daher z\u00e4hle ich mich auch nicht zu den K\u00fcnstlern, ob zweit- oder drittklassig. Und im Hinblick auf die Erhaltung des Bornefeld\u2019schen Erbes habe ich mir nichts vorzuwerfen. In der Ablage noch ein Beispiel f\u00fcr Goethes \u00bbeklektizistische Prospektgestaltung\u00ab.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/em><\/p>\n<p><em>Burkhart Goethe<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Wochen erhielt ich, ganz \u00fcberraschend,\u00a0 eine Email vom zust\u00e4ndigen Sachverst\u00e4ndigen, die ich hier ungek\u00fcrzt und unkommentiert zeigen m\u00f6chte. Anlass zu diesem Schreiben war wohl mein Artikel dazu. 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