{"id":347,"date":"2018-03-04T17:04:58","date_gmt":"2018-03-04T17:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.walcker.com\/?p=347"},"modified":"2018-03-04T17:13:09","modified_gmt":"2018-03-04T17:13:09","slug":"ab-wann-gab-es-denn-die-ersten-elektr-geblaesemotoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.walcker.com\/?p=347","title":{"rendered":"ab wann gab es denn die ersten elektr. Gebl\u00e4semotoren?"},"content":{"rendered":"<p>Diese Frage wurde mir in den letzten zwei Wochen gleich dreimal gestellt. Ich denke, dass diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann.<\/p>\n<p>Insbesondere glaube ich nicht, dass Deutschland eine Vorreiterrolle hier gespielt hat, sondern wir m\u00fcssen wahrscheinlich nach England oder Frankreich blicken, wo Mitte\/Ende des 19.JH das Ingenieurwesen sich intensiver damit auseinandersetzte.<\/p>\n<p>Warum dies der Fall war, ist unter anderem an den auch heute noch bemerkbaren M\u00e4ngeln der elektrischen Winderzeugung leicht zu kl\u00e4ren: der durch Motor und Windrad erzeugte Wind ist eben einfach unruhiger, verwirbelter als der durch Menschenhand gepumpte.<\/p>\n<p>Als nach der Fertigstellung der Ulmer Walcker-Orgel im Jahr 1854, der damals gr\u00f6\u00dften Orgel der Welt, verschiedene M\u00e4ngel im Windsystem auftauchten, wurde die Realisierung einer Windmaschine beschlossen. Die 12 Kalkanten schafften es nicht, die f\u00fcr das Pedal notwendige 90mmWS zu erzeugen, weswegen im Laufe der n\u00e4chsten Jahre eine Dampfmaschine angebaut wurde. Beim gro\u00dfen Umbau von 1882-1890 wurde nach Abschluss der Arbeiten ein 4PS starker Otto&#8217;scher Gasmotor eingebaut, der \u00fcber sieben Sch\u00f6pfb\u00e4lge und einer raffinierten Excenterkonstruktion, die wiederum von einem extra Balg geregelt wurde, den erforderlichen Wind lieferte. Ich vermute, dass der Motor au\u00dferhalb der Kirche angebracht war und \u00fcber Transmissionsriemen mit Wellen und Windrad in Verbindung stand.<\/p>\n<p>Die erste rein elektrisch gesteuerte Pfeifenorgel wurde in Frankreich 1852 gebaut. Ich gehe davon aus, dass auch die Winderzeugung recht fr\u00fch mit elektrischem Motor dort eingebaut wurde.<\/p>\n<p>Engl\u00e4nder und Franzosen sorgten \u00fcber ihre Weltausstellungen f\u00fcr die Verbreitung industrieller Entwicklungen. Wir kennen die Probleme, die Walcker bei Versuchen an der Bostoner Orgel 1863 hatten, als sie ungl\u00fcckliche Experimente mit elektrischer Traktur abbrechen mussten. Das geschah auch der Firma Weigle bei der Weltausstellung in Paris 1878, als dort ein rein elektrisch gesteuertes Instrument gezeigt wurde. Durch rasch abgebrannte Kontakte und leergelaufene Batterien hat man sich von der &#8222;Elektrik&#8220; bald erholt.<\/p>\n<p>Walcker baute in Wien Stephansdom 1886 noch einen Kalkantenruf ein, es sollten aber in den sp\u00e4ten 1890er Jahren bereits elektrische Motoren dort gewirkt haben. In Wien Votivkirche ist urkundlich erw\u00e4hnt, dass 1901 ein elektrischer Motor eingebaut wurde.<\/p>\n<p>Ab 1905 waren alle gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dte in Deutschland am Netz. Die Gaslampen wurden nun langsam gegen elektrisches Licht ausgetauscht. Damit war nun gew\u00e4hrleistet, dass in gro\u00dfen St\u00e4dten und deren gro\u00dfen Kirchen elektrische Motoren betrieben werden konnten. So war es bei den ersten rein elektrischen Orgeln in Deutschland (das muss man sehr vorsichtig so ausdr\u00fccken, weil ja immer noch erhebliche Pneumatik besch\u00e4ftigt war) der von Voit gebauten Orgel 1905 in die Stadthalle Heidelberg, wo der elektrische Spieltisch aus England kam,\u00a0 und von Walcker in der M\u00fcnchner Odeonhalle, ganz klar, dass hier auch elektrische Motoren den Wind erzeugten.<\/p>\n<p>Walcker bot ab diesem Zeitraum stolz seine &#8222;Kombinationsgebl\u00e4se&#8220; an, das waren Magazinb\u00e4lge, die per pedes oder per Motor betrieben werden konnten. Denn es war nicht sicher, ob der Strom auch wirklich dauerhaft aus der Dose kam. Eine Erscheinung, die Amerika und Afrika auch heute noch bestens kennen.<\/p>\n<p>Neben der Verwirbelung des Windes, die sich besonders bei Dispositionen mit vielen Stimmen kleiner als 4&#8242; stark bemerkbar machen kann, hat der Motor noch andere Nachteile, wie seine unerbittliche Ger\u00e4uschhaftigkeit oder seine Unberechenbarkeit.<\/p>\n<p>Wir haben wiederholt gro\u00dfe Unsicherheiten bei der Berechnung der erforderlichen Windmenge bei einschl\u00e4gigen Herstellern von solchen Winderzeuger erleben m\u00fcssen. so mussten wir dreimal Motoren in einer Kirche im Balkan erneuern, weil der Hersteller nicht in der Lage war eine Orgel mit 12 Register und Sub+Superkoppeln exakt berechnen zu k\u00f6nnen. Ein \u00e4hnliches Problem hatten wir bei einem Motoreinbau in Frankreich.<\/p>\n<p>Wie edel ist es da Schrittmotoren zu sehen, die Kastenb\u00e4lge uhrwerkm\u00e4ssig aufziehen, zu sehen und zu h\u00f6ren, welch reiner Wind sich da in die Orgel ergie\u00dft und welch ruhiger Atem durch die Orgel flie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frage wurde mir in den letzten zwei Wochen gleich dreimal gestellt. Ich denke, dass diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann. 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