Was bitte ist ein „Enharmonium“ ?

Nach solch einer Frage wird man sich bei den Orgelbaumeistern des BDO rasch am Kopf kratzen, während sich Orgelspieler und Laien schon lange auf unseren Webseiten über eine sensationelle Erfindung erfreuen konnten, die im Jahre 1890 durch den Japaner Shohé Tanaka geschah.

Das vor einigen Jahren wieder aufgefundene Instrument von Tanaka wurde von uns restauriert und verschiedenem Fachpublikum nahegebracht. Die BDO-Orgelmeister haben eine Veröffentlichung in ihren Kreisen abgelehnt, da wir nicht Mitglied im Bund sind. Aber dort jedoch, wo mit Fachwissen gehandelt wird, wie auf dem Wiener Wurstmarkt, da kann keine Wahrheit sein.

Daniel Walden aus der Harvard University kam heute gegen 10:30 direkt aus NY in unsere Werkstatt, um die nächsten zwei Tage auf dem Instrument zu üben. Dann geht es mitsamt Enharmonium weiter an die Musikakademie nach Basel, wo am Samstag den 25.11.17 sein  Vortrag mit musikalischen Beispielen stattfinden wird. Danach wird das Harmonium in die Hochschule für Musik nach Würzburg gebracht, wo es zu Studienzwecken Verwendung findet.

In Januar erfolgt eine Vorführung im Deutschen Museum in München. Im Mai eine weitere Vorführung im Musikinstrumenten-Museum in Berlin.

Der Enkel des Erfinders, ein Mathematikprofessor, Dr. Tasuko Tanaka, ist hoch erfreut, dass sich meine Vorhersage erfüllt hat, dass dieses kleine Harmonium soviel Begeisterung auslöst und damit das Erbe seines Großvaters wieder neu belebt wird. Da ist es wahrlich nicht schade drum, dass ein einfältiger deutscher Handwerkverband keinen Gebrauch von unserem Angebot gemacht hat, seinen Mitgliedern erweitertes Wissen in Sachen historischer Stimmungen zuzuführen .

Das selbe Desinteresse kam auch von der Musikhochschule Saarbrücken, die großes Interesse bekundete, dann aber wegen eines verlängerten Wochenendes keinen einzigen Studenten, keine einzige Lehrkraft fand, die an der Vorführung in Saarbrücken teilnahm. Wir trauern solch tumben Instituten keine Träne nach.

Nun aber zur einleitenden Frage: Was ist das, ein Enharmonium?

Antwort: anstelle der zwölf Tasten in der Oktave eines Klaviers oder einer Orgel  haben wir beim Enharmonium 21 Tasten. Diese Tasten sind genauso angeordnet wie bei einem normalen Tasteninstrument, aber sie sind dann weiter in sich unterteilt. Und das macht den musikalischen Vortrag auf diesem Instrument nicht einfach. Durch zweitägige Übung, so hat es uns KMD Schulten bewiesen, kann ein guter Klavierspieler jedoch schon passable Stücke vorspielen.

Durch die heute übliche temperierte Stimmung haben wir bei den Tasteninstrumenten zwischen den Intervallen (mit Ausnahme der Oktave), immer leichte Schwebungen. Besonders bei Septimen ist dies unerträglich. Hier auf dem Enharmonium kann sogar ein Dreiklang von Terz, Quinte und Oktave völlig rein gespielt werden. Hört man mehrere Stücke auf diesem Instrument, spürt selbst der Laie, dass eine neuartige Harmonie sich offenbart.

second touchdown: JSB Choral „Wenn du einmal sollst scheiden“

Als Tanaka sein Instrument 1892 Anton Bruckner und Wagners Dirigent Hans von Bülow vorspielte, erhielt er begeisterten verbalen Applaus, der darin mündete, dass die letzten großen musikalischen Genies der Deutschen der Auffassung waren, hier bahne sich eine großartige Entwicklung an, die endlich von den „verstimmten Kisten“ der Vorzeit Abstand nähme.

Sie hatten nicht damit gerechnet, mit den massiven Holzköpfen des deutschen Musikhandwerks, das sich bis heute bewahrt hat. Oder wie Joachim Fernau in seinem Buch „Die Genies der Deutschen“ gleich eingangs vermerkte: „Die Leuchtfeuer verlöschen, der Blindflug beginnt….“ .

 

gwm

 

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