Khirbet-Qanafar Orgel vervollständigt

Endlich konnten wir heute unsere Orgel in mehrfacher Hinsicht vervollständigen: der Motor wurde angeliefert, unser Pfeifenprospekt mit vielerlei Bleikondukten konnten eingebaut werden. Das vollständige Werk wurde von vielen begeisterten Besuchern gewürdigt.

Nun also gehts in die Intonation von Principal 4′ und dann, mehr zögerlich als zügig an die weiteren Register. Danach werden wir mit George, dem Schuldirektor nach Biblos zu historischen Gründen des Landes geleitet.

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Khirbet-Kanafar, Libanon: jetzt wird’s lustig

Die erste Lieferung eines Rollventils ist eingetroffen, noch fehlt der Motor, der in Beirut seiner Verzollung harrt. Das ist hier in den Ländern des arabischen Raumes immer eine durchaus spannende Sache. Wir haben allerdings im Vorfeld die Deutsche Botschaft eingespannt und werden, sobald sich übliche Zeit-und Geldforderungen ins unermessliche steigern sollten, die Zusage vom Kulturattaché wahrnehmen und seine Hilfe beanspruchen.

An unserer Orgel hat sich einiges getan:

Ursprünglich war die Orgel in wahrsten Sinne des Wortes an ihrem ursprünglichen Holzboden in Tombae/Schottland festgenagelt. Hier nun, in Khirbet, wollen wir den schönen Fußboden nicht in Mitleidenschaft ziehen, weswegen Holzverstrebungen zum Gehäuse und Rost (Fundamentraster) mit Leisten verschraubt werden. Alle diese Holzkonstruktion einschließlich eines schallgedämmten Motorkastens können wir hier in der Schneller-Schule-Schreinerei anfertigen lassen.

Hier noch das Prospektpfeifenwerk, dass morgen oder übermorgen in die Orgel eingebaut wird.

Jetzt sind wir rund 3 Wochen im Land, das uns jeden Morgen einen knalligen Sonnenschein auf den Frühstückstisch wirft mit Temperaturen von 35 Grad Mittags bis ungemütlichen Nachttemperaturen von 28 Grad. Da bleibt oft keine Auge trocken und wenig Gelegenheit zum Träumen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine solch stabile Wetterlage erlebt zu haben.

Jetzt hoffen wir, dass die Temperaturen langsam fallen und nachts wieder geschlafen werden kann.

 

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Rolls Royce in Khirbet Beqaa-Delta, Libanon

„Man sitzt hier wie in einem Rolls Royce“, gab mir George Haddad, Direktor der Schneller Schule in Khirbet zu bedenken, als wir endlich in einen technischen Zustand einbogen, der den gesamten Umfang unserer Orgel erkennen ließ.

Der Umstand, dass man hierzulande rasch Kulturgüter mit Verkehrsvehikeln assoziiert, liegt wohl darin begründet, dass die Gesellschaft im gesamten Libanon am „KFZ“ krankt. So erleben wir hier Verkehrserscheinungen, gegen die extreme Horrorschocker simpler Kinderkram darstellen.

So biegt ein vorausfahrendes Fahrzeug einfach auf die gegenüberliegende Straßenseite, um dort zu parken, ohne, dass es dort eine Parkmöglichkeit gibt. Oder es kommen dunkle Fahrzeuge ohne Licht bei dunkelster Dämmerung entgegen. Totalverschleierte Damen lustweilen auf solchen verfinsterten Straßen natürlich in pechschwarz, Panzerknackerbande-Style.

Also 30 Minuten Heimfahrt von einer benachbarten Stadt erzeugen so ganz am Rande das Gefühl bisher in einer der sichersten Welten gelebt zu haben und nun dem „Krieg, alle gegen alle per ausrangiertem PKW“ ausgeliefert zu sein. Was das Land dringend braucht sind Stoßdämpfer für VW, Opel und Mercedes aus den 1970er Jahren, damit endlich das ewige Schwimmen auf den holprigen Straßen aufhört, und man langsam das Gefühl loswird einen „Libanesen“ geraucht zu haben.

Politisch sieht es im Libanon so aus, dass die Armee mit der Hizbullah den Daesh (IS) weitgehend aus den Bergen hinausgedrängt hat. Das Problem ist nun, dass die Hizbullah, eine vom Iran gestützte Kampftruppe auch mit Libanesen besetzt, eine unberechenbare Gruppe ist, die vom Volk höchst argwöhnisch betrachtet wird. So  gibt es ganze Dörfer, sogar von hier nur 10 km entfernt, die von der Hizbullah besetzt sind und um die man einen großen Bogen machen soll.

Ungefährlich wird es in diesem Land so schnell nicht werden, aber dafür kommt jetzt endlich Orgelmusik, aahhhhhhhhhhh…., Johann Sebastian erhöre uns, Amen.

 

 

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Erste Orgelklänge in Khirbet-Qanafar, Libanon

Nur zum Regulieren und Austesten der Mechanik im I.Manual haben wir das Register Principal 4′ eingebaut. Natürlich  sind die Pfeifen weder intoniert noch gestimmt. Außerdem wir noch der Einbau eines neuen Motors vorgenommen, der über ein Rollventil an den Hauptbalg angeschlossen wird. Jetzt für diesen ersten Test gibt es nochmal den beruhigten von Hand erzeugten Wind. Wie gesagt, nur um die Mechanik zum Sprechen zu bringen, wurden die Pfeifen reingestellt, denn nach dem Einbau der II.Man.-Mechanik kommt man nicht mehr ans I.Manual.

Hier also unser erstes Video auf diesem Blog:

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Eine 3000 Jahre alte Ceder berühren zu dürfen

war uns heute vergönnt:

Es handelt sich dabei um diesen Baum, rechts von unseren Freunden. Jener sonderbare Baum der alle Kolonialisten von Osten und Westen, Griechen, Römer und diverse Turkvölker überlebt hat, zeigt doch, wie seltsam langsam die Zeit vergehen kann.

Dieser Baum wurde als Vorlage für die libanesische Flagge (ca. 1943) verwendet.Zu seiner Geburtsstunde haben alle Religionsgründer und Philosophen, ja man denke an die Vorsokratiker, die wir heute bewundern, noch gar nicht gelebt. Ja es sollte noch 700 Jahre dauern bevor Alexander der Große seine Truppen durch diese unwegsamen Gebirgszüge bis nahe Indien geführt hatte.

Diese Seltsamkeiten, wir bemerken es seit zwei Wochen, scheinen hier im Nahen Osten konzentriert zu sein.

Aber auch das sieht man, den toxischen Ring über der Stadt Beirut, der wie ein Alienstrahl auf die Gefahr, die von menschlicher Hand droht, aufmerksam macht:

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Über die Freiheit eine alte englische Orgel im Libanon aufzustellen

das musste einfach mal gesagt werden, dass wir es als unser großes Glück empfinden, vom deutschen Unwesen der Orgelbehandlung abgekoppelt zu sein und dieses als Riesengewinn betrachten, hier unter der Sonne Libanons ein schönes, reines, kleines Instrument in einer eben solchen Kirche aufbauen zu dürfen.

Mit dem hiesigen Direktor George verbindet uns ein tiefes, inniges Einig-Sein in der Sache, nämlich mit diesem schönen Werk, das in Schottland ohnehin nur ein Schattendasein gefristet hat, endlich einem begeisterten Publikum die Tore zur Orgelmusik öffnen zu dürfen.

Hier ein Bild des im Aufbau befindlichen Spieltisches, der die Verspieltheit der Engländer mit ihrem Material am besten zum Ausdruck bringt.

Sitzt man abends beisammen und diskutiert die Weltlage, oder nur den Zustand der hiesigen Natur, so wird rasch allen Beteiligten klar, dass wir uns nicht in den besten aller denkbaren Welten befinden sondern eher am Abgrund.

Die Diskrepanz zwischen Europa und dem Nahen Osten, die zweifellos durch die Kolonialisierung und nachfolgende, also heute fortdauernde, rigorose Ausnutzung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch Europa, USA und den heranwachsenden Weltmächten im Osten, führt solche Länder wie hier den Libanon in eine totale wirtschaftliche Sackgasse. Da sind die 300 Millionen Euro für die Kasernierung der Flüchtlinge aus Syrien und die daraus resultierenden labilen politischen Verhältnisse eine schwer wägbare Sache. Das Land ist, was die Umwelt angeht, wie alle arabischen Ländern, die ich bisher gesehen habe, völlig fertig. Der von hier 20 km entfernte See, beinhaltet eine völlig vergiftete Brühe. Das Schöne der Landschaft offenbart sich bei näherer Betrachtung, ich möchte mal sagen, wie die Schleier der Maya, je mehr man Schleier entfernt, desto grausiger wird der entstellte Anblick.

Das Einzige, und hier bleibe ich Metaphysiker, sind die nicht gegenständlichen Dinge, wie Gerechtigkeit, Freiheit und Schönheit, über die man tausend Jahre lang philosophieren kann, ohne je dem Bösen total aufgesessen zu sein, also unsere Freiheit, hoch soll sie leben!

Diese Kisten und das freie Walten im Freien, sie sollen Symbol sein für unsere Unbeugsamkeit, der freien Welt des Orgelbaus treu geblieben zu sein.

Diese Freiheit zu haben und zu sagen, nein, mit Euch nicht, Eurer Eitelkeit muss ich mich nicht unterwerfen, das ist das Schönste, das ich in diesem Libanon gefunden habe.

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Marcel Rode gibt 3 Konzerte in Costa Rica,

was durch unsere Vermittlung ermöglicht wurde.

Folgende Konzerttermine sind fest vereinbart worden:

1.9. 18:30 Cathedral San José

2.9. 19:00 Cathedral Cartago

3.9. 19:00 Basilica Cartago

Erfreut meldet Herr Rode, dass er bereits in Deutschland von zwei Zeitungen aus Costa Rica interviewt wurde und dass sein Konzert an der Walcker-Orgel in der Basilica in Cartago per TV-Radioaufnahme ins Land gestrahlt wird. So etwas habe er hier in D noch nicht erlebt.

Ja, die Begeisterung in diesem Land, und ich meine das in ganz Mittel-und Südamerika so vorgefunden zu haben, das ist die Quelle eigentlicher Inspiration, die bei uns längst durch technische Spielereien abgewürgt wurde. Nur noch plumpster Populismus findet seine Hörer, gar nicht mehr zu reden von den völlig verblödeten „Sehern“.

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Einbau der Mechanik in Khirbet

Jetzt haben wir einen treuen Zirkel, der unsere Blogs aufmerksam verfolgt. So teilt mir ein Organist mit, er habe seinem Chor diese Orgelmontage zur Ansicht empfohlen. Anderen gefällt die unmittelbare Nähe zum Bürgerkrieg in Syrien, während hier ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit aufscheint.

Aber es gibt auch Besucher in der Kirche, hier in Khirbet Qanafar, Libanon, die sich dort via Selvies mit der Orgel ablichten. Gleich beim ersten Besucherpaar hatte ich auf dem iPad, was sehr selten vorkommt, Nirvana „Smells like Teen Spirit“ auf der Pfanne, was durch die gute Akustik der Kirche einen schönen klanglichen Effekt bekam. Die Besucher nahmen es überrascht auf. Später dann wurden Madrigale von Gesualdo und Monteverdi zum Ausgleich intoniert, was dem ganzen Geschehen hier im Kirchenraum, dem Einbau der Mechanik, mehr Würde verliehen hat.

Hier auf dem ersten Foto unsere Kirche mit Ansicht auf den Orgelraum. Übrigens ist der Glockenturm, leider, völlig in Takt und gibt pro 1/4 Stunde einen Schlag ab. Bei abgelaufener Stunde schäppert eine weitere Industrieglocke, die man aus dem Hamburger Hafen besorgt hat, die Stundenzahl durch die Nacht. Daneben gibt es eine Menge schlafloser Hunde, die wie bei einer Wagner-Oper, wo man am wenigsten damit rechnet, laut und bösartig tremolierend in den Traum hinein bellen.

Hier ein paar magische Mechanik-Fotos, wie man sie selten sieht:

Und zum Schluss eine Rose aus dem „biblischen Garten“ hinter der Kirche, der in Richtung Syrien deutet. Auch einen kleinen Apfelbaum gibt es da, die zugehörige Eva haben wir noch nicht gefunden. (soll sündig sein?!)

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Zwischenstand in Khirbet, Libanon

Unser kleines Örgelchen schreitet unermüdlich fort in seiner Entwicklung. Man kann solche Orgeln nicht einfach vergleichen, zum Beispiel ein E-Positiv von Walcker mit 11 Register hat noch nicht einmal ein drittel der Grundfläche von dieser Orgel hier, die nur 8 Register aufweist (dafür aber keinen 2′ und keine Mixtur).

Klanglich  handelt es sich bei dem E-Positiv eben um ein Positiv, während wir hier bei der Conacher eine richtige kleine Prinzessin haben, die zudem in dem neuen Kirchenraum St. Michael in Khirbet, eine optimale Kirchengröße vorfindet. In Tombae war der Kirchenraum einfach zu groß.

Hier zum Größenvergleich ein Foto aus dem derzeitigen Arbeitsstand:

Was mir sehr gefällt ist die robuste, stabile Bauweise, wir sehen es an dem Gestellt hier. Die Mechanik, die Koppeln sind allerdings im Aufwand gewaltig und kompliziert. Bei der Aufnahme unserer Musikstückchen war das Schwellwerk nicht spielbar, weil eine ganze Reihe Töne geklemmt haben.

Schön gearbeitet sind die Wellenbretter, Wellen und Wellenarme aus Stahl mit genähten Stoffteilen an Nahtstellen zur Abstrakte. Auch die Drahtführung wurde gut und dauerhaft mit Lederhülsen geschaffen.

Alle Schrauben sind aus Eisen und gut und gründlich verrostet. Die Schlitze weit enger als bei uns. Natürlich herrscht hier das Inch-Maß vor, 6-7,5mm sind gängige Durchmesser.

Alle diese mechanischen Teile gipfeln am Ende an kleinen Leder-Regulierelementen, die längst nicht mehr zu gebrauchen sind. Eigentlich der einzige elementare Mangel. Wir werden alle Lederteile gegeben Stellringe ersetzen, weil auch die Gewinde der Abstrakten an Griffigkeit verloren haben und ein dauerndes Nachregulieren durch solche Lederteile nicht zumutbar gewesen wäre.

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Oscar Walcker- oder wer seine eigene Bio schreibt ist selber schuld…

Erinnerungen eines Orgelbauers ist sein Buch, das allein in den letzten 4 Jahren rund 450 mal verkauft wurde. Der Mangel aber ist, wie sich an dem nachfolgenden Beispiel zeigt, dass umgestaltetes Zitiert-werden in Form von einem Interview, wie das immer wieder mal bei Praktikantinnen versucht wird, einer grausamen Verstümmelung historischen Geschehens gleich kommt. Hier also haben wir wieder ein Musterbeispiel für den Gang in die Geschichte, der einem plattem Aufprall gleich kommt:

http://www.swp.de/bietigheim/lokales/ludwigsburg/vom-orgelbau-gefesselt-15623290.html

Die erste Unwahrheit steht direkt unter seinem Bild: Mit Oscar Walcker kam der technische Wandel in der Orgelbaufirma Walcker. Abgesehen vom grammatikalischen Gewaltakt, der hier vollzogen wurde, sei hinterfragt, woher diese dümmliche Weisheit stammt? Die Innovationen des Großvater Eberhard Friedrich die den Orgelbau in ganz Deutschland tief beeinflusst haben, werden schlichtweg unterschlagen und nun weiß man, dass Praktikantinnen, die sich in Schönschreiben üben, besser nicht über solche Feinheiten philosophieren sollten.

Wer weiterhin darüber informiert ist, dass der Slogan “ mehr Sein als Scheinen“ in späteren Jahren von der SS in Runen gesetzt wurde, der wird in solch einem Schreibstück derartige (wenn auch gut gemeinte) Worte  nur zaghaft ins Gespräch bringen.

Bei der Schwerpunktbildung des ersten Teils jenes seltsamen Interviews, der die „strenge Erziehung“ zum Inhalt hat, werde ich genötigt zu glauben, dass die Verfasserin des Stückes  irgendein Problem mit sadomasochistischem Hintergrund hat. Zudem wird auf die Frage „War die strenge Erziehung auch der Grund, warum Sie es Ihrem Vater gleich taten und ebenfalls Orgelbauer wurden?“ die Antwort gegeben „Mein Urgroßvater Johann Eberhard erlernte das Orgelmacher-Handwerk bei Johann Georg Fries in Heilbronn, einem Schüler des berühmten Heilbronner Orgelbaumeisters Johann Adam Schmahl.“ Also, sehr gute Lektoren haben die bei der Besigheimer.

In der Tat ist diese Zeit sehr gut beleuchtet in dem Film „Das Weiße Band“, das den aufkommenden Faschismus auf Grund jener verfehlten Erziehungsmaßnahmen bloßlegen konnte.

Nein, Oscar Walcker war nicht vom Orgelbau gefesselt, wie die Überschrift dieses unnötigen literarischen Konstrukts es uns weismachen möchte, es wird gefesselt von solch unbedarften Konstrukteuren, die sich keinerlei Mühe machen, diese komplexen Zeiten der zwei Weltkriege und die lange Friedenszeit davor zu verstehen, gründlich zu analysieren und bevor man zu schwätzen beginnt, sich erstmal den Geschmack der Zeit auf die Zunge zu ziehen. ( viermal Z, und jetzt ist Schluss)

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